Nachgefragt: Arno Gottschalk
"Flexible Produkte sind von Vorteil"

Arno Gottschalk ist Finanzberater bei der Verbraucherzentrale Bremen. Im Interview spricht er über die Standbeine einer soliden Vorsorge.

Handelsblatt:Eignet sich freies Sparen zur Altersvorsorge?

Arno Gottschalk: Man sollte die Altersvorsorge nicht nur auf das Sparen verengen. Denn vor dem Vermögensaufbau kommt die Risikovorsorge. Und beides sollte man am besten voneinander trennen. Viele Leute haben keine ausreichende Absicherung gegen Tod, Unfall oder Berufsunfähigkeit. Zunächst sollten aber diese Risiken abgesichert werden, beispielsweise durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Danach kann man ans Sparen denken.

Sollten Anleger per Rentenversicherung oder lieber auf eigene Faust sparen?

Bei den Versicherungen sollten die Sparer vorsichtig sein – denn es gibt auch ein Leben vor der Rente. Was nützt ein großer Vertrag für eine Rentenversicherung, wenn dann beispielsweise das Geld für ein Auto fehlt? Man braucht auf jeden Fall Rücklagen, falls es einmal zu unvorhergesehenen Ausgaben kommt. Die Flexibilität anderer Sparformen spricht daher gegen die Versicherung. Und die Kosten der Versicherungen sind alles andere als transparent.

Aber auch Fondssparpläne oder der Kauf von Aktien kostet Gebühren.

Auf diese Kosten sollte man genau achten. Es lohnt sich, beispielsweise börsengehandelte Indexfonds zu kaufen, deren Wert sich gleichlaufend mit einem Aktien- oder Anleihenindex entwickelt. Die Verwaltungsgebühren solcher Fonds liegen meist bei nur 0,2 oder 0,3 Prozent im Jahr. Andere Investmentfonds oder das Vermögensmanagement bei einer Bank kosten wesentlich mehr. Dabei schlagen nur wenige Fondsmanager die Indizes.

Welche anderen Standbeine braucht eine solide Vorsorge?

Die Riester-Rente lohnt sich nahezu für jeden. Gerade Besserverdiener sollten die Förderung mitnehmen. Durch die Zuschüsse vom Staat sind Riester-Verträge besser als eine private Rentenversicherung ohne Förderung. Bei der betrieblichen Altersvorsorge fressen die Beiträge für die Sozialversicherung im Alter enorm an den Auszahlungen. Was über Risikoabsicherung und Riester hinaus noch bleibt, sollte man daher am besten frei sparen.

Welche Anlageformen eignen sich dazu am besten? Zertifikate, Fonds, Anleihen?

Die Kernanlage sollte in Indexform geschehen. Wer langfristig auf Indizes setzt, ist auch erlöst vom Fondsvergleich. Zertifikate bieten gegenüber Indexfonds den Vorteil, dass Dividenden mitunter steuerfrei in den Ertrag einfließen. Bei vielen Zertifikatekonstruktionen, wie beispielsweise Rolling Discounts, ist allerdings nicht klar, welche Kosten im Kurs enthalten sind. Deswegen sollten Anleger auf jeden Fall bei Produkten bleiben, die sie verstehen.

Die Fragen stellte Daniel Zwick.

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