Nachgefragt
"Das Risiko bleibt überschaubar"

Sechs Fragen zum brasilianischen Aktienmarkt an Paolo Leme, Direktor des Research für Schwellenländer bei Goldman Sachs & Co.

Die südamerikanischen Börsen entwickeln sich nun seit fast zwei Jahren überdurchschnittlich gut. Wie lange wird der Börsenboom noch anhalten?

Man sollte nicht von einem Boom sprechen, denn eigentlich haben sich die Börsen nur von der Krise während des Wahlkampfes in Brasilien im Jahr 2002 erholt. Die Aktiva haben heute wieder ihre historischen Werte erreicht.

Also sollte man jetzt keine brasilianischen Aktien mehr kaufen?

Betrachtet man die Kennzahlen der Unternehmen, dann ist ohne Zweifel immer noch viel Potenzial für deren Aktienkurse vorhanden. Viele südamerikanischen Unternehmen sind weiterhin billig. Doch das Kurspotenzial ist dieses Jahr nicht mehr so hoch wie während der Korrektur der vergangenen zwei Jahre.

Was sollte ein Investor wählen, der sich in Südamerika engagieren möchte?

Ausländische Investoren bevorzugen derzeit eindeutig lokale südamerikanischen Anleihen – noch vor Aktien. Gefragt sind hochverzinste Bonds in unterbewerteten Währungen, weil der Zinsertrag im Vergleich zu europäischen oder nordamerikanischen Anleihen hoch ist und außerdem eine Aufwertungsprämie möglich ist.

Ist das Anleihe-Risiko nicht zu hoch? Immerhin haben die Investoren in Argentinien herbe Verluste erlitten.

Das Risiko ist derzeit überschaubar: Ein Zinsanstieg in den USA oder Probleme in Brasilien, welche den Real unter Druck bringen könnten, droht kurzfristig nicht. Privatanleger sollten sich aber Fonds suchen, die solche Titel führen.

Brasiliens Präsident Lula erhält von Marktteilnehmern der Wall Street für seine konservative Geld- und Finanzpolitik positive Kommentare. Erwarten Sie weitere positive Überraschungen?

Ich bin eher skeptisch. Es wird weiter Reformen geben, aber das Tempo wird sich verlangsamen. Die positive Konjunkturentwicklung verringert den Reformdruck für die Regierung.

Wird die wirtschaftliche Erholung in Südamerika anhalten oder droht bald die nächste Krise?

Lateinamerika macht eine zyklische Erholung mit, mehr nicht. So gut wie heute ging es der Weltwirtschaft seit 35 Jahren nicht mehr. Davon profitieren diese Länder als Rohstoffexporteure besonders. Doch in der Region hat sich an der Basis des Wachstums wenig verbessert.

Die Fragen stellte Alexander Busch.

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