Nachgefragt: Gottfried Heller
"Beim Dax sind 5 200 Punkte drin"

Gottfried Heller ist Chef der Fiduka-Depotverwaltung. Er war Partner von André Kostolany. Im Interview erklärt er, dass auf welche Branchen und Aktien Anleger setzen sollten.

Handelsblatt:Seit dem 22. Mai boomen deutsche Aktien. Hat sich mit der Neuwahl die Welt verändert?

Gottfried Heller: Für Deutschland schon, zum Teil auch für Europa. Wenn dort die größte Volkswirtschaft lahmt, kommt Europa nicht vom Fleck. Diese Blockade hat uns Bundeskanzler Gerhard Schröder erspart. Die große Gefahr für die Börse – ich schätze sie aber ganz minimal ein – ist eine Koalition aus SPD, linkem Wahlbündnis und Grünen. Das hätte Schocks für unseren Aktienmarkt und dramatische Abflüsse zur Folge, weil das Ausland Gelder abziehen würde. Eine große Koalition sehe ich hingegen nicht als Gefahr. Auch sie würde die notwendigen Beschlüsse fassen. Vergleiche mit der großen Koalition in den 60er-Jahren sind falsch. Damals standen keine wichtigen und großen Beschlüsse an.

Selbst Terroranschläge wie in London bremsen die Rally nicht. Sind Anleger zu sorglos?

Terroranschläge sind grausam, töten Menschen und legen den Verkehr lahm. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen sind gering. Hinzu kommt, dass die Börse nur aus dem Tritt kommt, wenn etwas eintritt, womit sie gar nicht rechnet. Die Terrorgefahr sehen Anleger, und sie wissen, dass es immer wieder passieren kann und wird. Das ist der große Unterschied seit den Anschlägen auf die USA am 11. September 2001.

Was raten Sie bislang nicht investierten Anlegern? Sollen sie auf den Börsenzug aufspringen?

Sie springen zunehmend auf. Wer kaufen will, sollte aber jetzt genauer hinschauen und sich nicht mehr blind im MDax und SDax engagieren. Dort haben die Bewertungen nach dem kräftigen Kursanstieg in den vergangenen Jahren deutlich angezogen. Im Dax gibt es hingegen noch mehr Spielraum. Hier sind die Aktien gemessen am Buchwert und Cash-Flow um 30 Prozent unterbewertet. Das ist nicht gerechtfertigt, wenn im restlichen Europa weniger Reformen umgesetzt werden als in Deutschland.

Auf welche Branchen und Aktien setzen Sie?

Angesichts des ermäßigten Euros und des robusten Weltwirtschaftswachstums im Verhältnis zum mickrigen Wachstum in Deutschland bevorzuge ich exportorientierte Unternehmen. Ich denke an Automobilwerte. VW ist nach vielen Schwierigkeiten eine echte Restrukturierungsstory. Tui ist gut, weil die Deutschen sich vom Reisen nicht abbringen lassen werden. Und natürlich sind die hoch profitablen Versicherer nicht zu vergessen. Eine Allianz gab es nie so billig.

Wo sehen Sie den Dax am Jahresende?

5 000 Punkte hatte ich zu Jahresanfang gesagt. Er wird darüber steigen, wenn es bei der Wahl zu keinen bösen Überraschungen kommt. 5 200 Punkte sind drin.

Das Gespräch führte Ulf Sommer.

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