Nachgefragt
"Kapital-Lebensversicherung hat sich nie gelohnt"

Frank Braun, Geschäftsführer beim Bund der Versicherten in Hamburg, zum Thema Kapital-Lebensversicherungen.

Lohnt sich der Abschluss einer Kapital-Lebensversicherung?

Der hat sich noch nie gelohnt. Die Renditen sind vergleichsweise gering, gleichzeitig ist das Produkt unflexibel und intransparent.

Wie schneidet die Lebensversicherung im Vergleich mit anderen Anlageformen wie Aktien oder Fonds ab?

Schlecht, denn die Garantieverzinsung von bald 2,75 Prozent wird nur auf den Sparanteil der Versicherung gezahlt, der macht 70 bis 80 Prozent der Beiträge aus. Sprich: Eine Lebensversicherung wird nur mit weniger als zwei Prozent verzinst. Da kann der Verbraucher sein Geld doch gleich in einen Geldmarktfonds einzahlen, auf den hat er zudem jederzeit Zugriff.

Aber der Kunde erhält doch auch noch die Überschussbeteiligung ausgezahlt.

Damit kann aber niemand sicher kalkulieren, wie die jüngste Krise der Lebensversicherung mit drastisch gesunkenen Überschussbeteiligungen zeigt. So sind beispielsweise bei vielen Eigenheimkäufern, die ihre Finanzierung mit Lebensversicherungen gestalten, große Lücken entstanden.

Überwiegt der Steuervorteil von Lebenspolicen die Nachteile?

In der Regel nicht. Dies kann allenfalls in Einzelfällen der Fall sein. Allerdings sollte jeder die bei der Auflösung von Lebensversicherungen drohenden hohen Verluste im Vorfeld eines Abschlusses berücksichtigen. Schließlich wird seit Jahren jede zweite Lebensversicherung vor dem Ablaufende gekündigt.

Oft werden kombinierte Lebensversicherungen verkauft, macht dies Sinn?

Nein. Verbraucher sollten beispielsweise eine kapitalbildende Lebensversicherung nicht mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung kombinieren. Denn Versicherer blockieren im Bedarfsfall vielfach den Wunsch des Kunden nach einer getrennten Kündigung, die möglich ist. Dann sitzt der Versicherte in der Zwickmühle. Schließlich bekommt er beispielsweise bei neuen Erkrankungen oft keine oder nur noch eine teurere Berufsunfähigkeitspolice. Unsinnig ist vielfach auch die in der kapitalbildenden Lebensversicherung enthaltene Kombination von Sparvertrag mit Risikolebensversicherung (Todesfallschutz). Darauf kann beispielsweise jeder Single verzichten.

Die Fragen stellte Caspar Dohmen.

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