Nachgefragt: Rob Bauer
"Analyse muss umfassender werden"

Rob Bauer ist Leiter des Research von ABP Investments und Professor für Finanzwissenschaft an der Universität in Maastricht.

Welches wird der wichtigste Trend im Asset-Management hinsichtlich nachhaltiger Anlagekriterien?

Entscheidend ist, dass ökologische und soziale Faktoren in der konven-tionellen Aktienanalyse und im Mainstream-Investment berücksichtigt und nachhaltige Kapitalanlagen als Nische überflüssig werden. Da es bei den Kriterien Subjektivität gibt und die Vermittlung einzelner Themen schwierig ist, muss es im wild wuchernden Research zur Konsolidierung und Standardisierung kommen. Es muss sichtbar machen, welche Kernfaktoren Gewinne, Risiken und Aktienkurse beeinflussen. Das Thema Corporate Governance wird dabei der Türöffner sein.

Wird die Enhanced Analytics Initi-ative (EAI) einen Schneeballeffekt erreichen und die konventionelle Aktienanalyse ökologische, soziale und ethische Faktoren integrieren?

Die Chance ist groß und in einigen Fällen des internen Asset-Managements institutioneller Investoren ist es schon passiert. Die EAI wird dazu beitragen, dass Broker mehr tun und Anleger besser informiert werden. Für Pensionsfonds ist Kooperation erforderlich. In den Niederlanden haben wir mit Pensionsfonds 1998 SCGOP – eine Stiftung für Corporate Governance Research – gegründet, um unsere Praktiken zu verbessern, Kosten zu senken sowie Wissen und Stimmrechtsmacht zu bündeln. Die Einflussnahme auf Unternehmen wird künftig wichtiger. Wir stimmen bei fast 100 Prozent unseres Aktienkapitals aktiv ab.

Sind nachhaltige Konzepte auch dann sinnvoll, wenn sie nur Marktrendite erzielen?

Ja. Nachhaltige Anlagen erzielen marktkonforme Renditen bei glei-chem oder niedrigerem Risiko. Zu-dem hat man eine doppelte Rendite, weil man eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung fördert. Problem ist, dass Portfoliomanager an kurzfristigen Überrenditen gemessene Boni erhalten – das ist ein Anreiz, jede Anlageeinschränkung abzulehnen. Diesen Systemfehler müsste man beseitigen. Zumal 50-Jahres-Vergleiche zeigen, dass es bei konventionellem Asset Management gar keine systematische Überrendite gibt. Warum also verlangt man von nachhaltigen Geldanlagen Überrenditen? Das ist unehrlich.

Ist es für konventionelle Asset-Ma-nager nicht zu schwierig und auf-wändig, sich um Nachhaltigkeitskriterien kümmern zu müssen?

Es ist eine Pflicht, weil es wahr-scheinlich den Unternehmenswert und das Anlagerisiko beeinflusst. Noch wichtiger ist, dass man Innovationspotenziale erkennt. Man kann davon ausgehen, dass Unternehmen mit guten Nachhaltigkeitsratings auch sonst sehr innovativ und gut geführt sind. Dieser Logik muss man folgen – auch wenn der Nachweis erst möglich ist, wenn es jahrzehntelange Datenreihen gibt.

Wo steht das konventionelle Asset- Management in zehn Jahren?

Ich hoffe, dass in den nächsten Jahren deutlich wird, welche nachhaltigen Kriterien für Rendite, Risiko und Chancen wichtig sind, und bin überzeugt, dass diese in den Mainstream aufgenommen werden.

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