Nachgerechnet
Beim Gewinnsparen gewinnt (fast) immer die Bank

„Erteilen Sie Ihrem Glück einen Dauerauftrag“, werben Sparkassen und Volksbanken für das Gewinn- oder PS-Sparen. Der Verkauf von Hoffnung spielt den Instituten Milliarden ein. Doch die Rendite der Sparer ist negativ.
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DüsseldorfEinen funkelnagelneuen Peugeot 207 Tendance 95 Vti hat Bernd M. aus Ottweiler gewonnen. Er hat bei seiner Sparkasse Neunkirchen mit nur zwei Losen den Hauptgewinn gezogen. Neben dem neuen Auto hat er jetzt noch acht Euro mehr auf dem Sparbuch. Bernd M. ist einer von schätzungsweise 20 Millionen Gewinnsparern in Deutschland.

Gewinnsparen, das ist eine Kombination aus Sparen und Lotterie, wie sie alle Sparkassen und Volksbanken anbieten. Mit fünf Euro ist der Bankkunde dabei: Vier Euro gehen aufs Sparbuch, einer in die Lotterie. Zweck ist die „Pflege und Förderung des Spargedankens“, steht etwa in der Satzung des Sparverein Saarlands, der das Gewinnsparen für die regionalen Banken organisiert. Doch genau gerechnet, ist es ein „Verlustsparen“.

Zum Beispiel bei der Sparkasse Aachen: 250.000 Euro kann man da Monat für Monat beim „PS-Sparen“ gewinnen, wie das bei den Sparkassen heißt. Leider müsste ein Kunde im Schnitt 830.000 Jahre lang jeden Monat ein neues Los kaufen, bis er gewinnt. Aber es gibt ja auch kleinere Gewinne ab 2,50 Euro, und dort sind die Chancen deutlich besser. Im Schnitt werden 55 Cent je eingesetztem Euro wieder ausgeschüttet. Und 25 Cent gehen an einen guten Zweck. Doch geht es hier um Lotterie, oder um das Sparen?


Auf den Sparanteil zahlt die Sparkasse Aachen nur 0,4 Prozent Zins im Jahr. Das ist sehr billiges Geld für die Sparkassen. Sie verkaufen bundesweit jährlich etwa 280 Millionen Lose, damit fließen ihnen über das PS-Sparen mehr als eine Milliarde Euro Geld zu. Ähnlich dürfte die Bilanz bei den Volksbanken aussehen. Der Kunde aber bucht ein Verlustgeschäft. Kauft er jeden Monat ein Los, bekommt er 0,4 Prozent Zinsen auf vier gesparte Euro, verliert aber im Schnitt 45 Prozent des fünften Lotterie-Euros. Das bedeutet für die vielen Millionen Gewinnsparer durchschnittlich eine Verlustrate on 16,3 Prozent ihres Einsatzes im Jahr. Nun ja, was sind denn schon fünf Euro im Monat? Ein einfacher Cappuccino kostet doch schon drei.

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Besonders riskant ist die Kombination mit Altersvorsorge

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  • Ich bin auf diesen Artikel gekommen, weil ich im Internet nach Erfahrungen mit "Sparen und Gewinnen" suchte.
    Ich schätze das Handelsblatt sehr und lese es beruflich. Ich bin kein Freund von Banken, das steht ausser Frage. In diesem speziellen Fall empfinde ich die richtung des Artikels ebenfalls falsch - hier geht es nicht um Finanzplanung, sondern um Spass, denn wir sprechen über Kleinstbeträge. Ich habe 20 Lose gekauft und es ist mir den Spass wert, einmal im Monat die Zahlen zu begutchaten ob ich vielleicht gewonnen habe - Lotto hingegen war unter Betrachtung von Einsatz und Gewinn deprimierend. Zusätzlich ist es nett, dass am Ende des Jahres die immer wieder überraschende Ausschüttung des Sparbetrags kommt, was in keiner Finanzplanung enthalten war und meist einem ordentlichen Paar Schuhe o.ä. dient ^^

  • Ich denke, dass jedem bewusst ist, (oder sein sollte) dass die Teilnahme beim PS-Gewinnsparen (wie Sie alle ja auch sagen) eine Lotterie ist. Es beschwert sich ja auch keiner darüber dass man beim Lottospielen keine Rendite hat... Und so unwissend sollte in der heutigen Zeit keiner mehr sein um soetwas als Altersvorsorge zu sehen!

  • .. aber die Rendite bei einem Gewinn wäre beachtlich. Der Lotterieeinsatz ist für mich kein Verlust.

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