Nachgerechnet
Wann es lohnt, die Rentenpolice zu kündigen

Wer eine neue Rentenversicherung abschließen will, sollte ganz genau aufpassen. Denn unter Umständen kann es sinnvoller sein, einen alten und schlechten Vertrag zu behalten, statt einen guten neuen abzuschließen.
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Conny Andresen *) erlebte die Enttäuschung jedes Jahr im Mai. Seit Dezember 2006 zweigte sie regelmäßig 25 Euro in eine Rentenversicherung der Debeka ab. Doch die Zwischenbescheide waren für die Studentin und junge Mutter stets ernüchternd. Im Januar 2011 etwa hatte sie mit ihren Minibeiträgen immerhin schon 1 225 Euro einbezahlt. Doch davon hätte sie bei vorzeitiger Kündigung nur 468 Euro zurückbekommen. Selbst wenn sie die Kosten der eingeschlossenen Risikolebensversicherung abzieht, waren fast 60 Prozent ihrer Beitragszahlungen weg. Nun will sie zusammen mit ihrem Mann auch noch bauen. Soll sie die Versicherung kündigen, zähneknirschend durchhalten oder gar wechseln?

Millionen Deutsche stehen vor einem ähnlichen Dilemma. Jeder zweite Lebensversicherungsvertrag wird gekündigt. Nicht nur aus Not: Auch weil es vielleicht bessere Policen gibt, oder weil ein netter Vertreter zum Wechsel geraten hat. Paradoxerweise ist es manchmal sinnvoll, einen schlechten Vertrag zu behalten. Und bei günstigeren Verträgen lohnt oft noch der rasche Ausstieg.

Den Vertrag von Conny M. hat Hajo Köster vom Bund der Versicherten für das Handelsblatt geprüft. Erstaunliches Ergebnis: Auf lange Sicht gesehen ist er wohl gar nicht so schlecht. Würde Andresen bis zum Rentenbeginn 2045 weiterzahlen, ergäbe sich eine garantierte Rendite auf den Sparanteil von 2,11 Prozent, errechnet Köster. Viele Versicherer garantieren derzeit weniger. 12,35 Prozent der Beiträge gehen bei der Debeka-Police über die gesamte Laufzeit gerechnet für Kosten drauf. Auch das ist eher günstig.

Woher aber kommen Andresens niedrige Rückkaufswerte am Anfang? Sie hatte einen Vertrag speziell für Auszubildende unterschrieben, erläutert die Debeka. Danach zahlte sie fünf Jahre lang verminderte Beiträge, im sechsten Jahr wären die Beiträge dann auf den vorgesehenen Satz von 47 Euro gestiegen.

Was wie ein Entgegenkommen klingt, findet Andresens Versicherungsberater Jürgen Hartenstein aus Limburg eher ärgerlich. Denn mit den 25 Euro musste die Studentin die vollen Abschlusskosten für die gesamte, über 39 Jahre zu zahlende Beitragssumme abstottern. Dazu waren zu Beginn noch hohe Stornokosten fällig. Es würde bei dem Vertrag fast 20 Jahre dauern, bis der garantierte Rückkaufswert die Summe aller eingezahlten Beiträge erreicht hat. Erschwerend kommt noch hinzu: Die Police wurde nach dem 1.1.2005 abgeschlossen. Da galt schon die neue Steuerregelung: Die Zinserträge aus der Police müsste Andresen bei Rentenbeginn versteuern.

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  • Mir schein die gesamte Versicherungsbranche ist nur auf Abzocke und damit für mich unseriös. Die ganze Branche bereichert sich an dem durch harte körperliche Arbeit erwirtschafte Geld und die Nichtstuer kassieren/bedienen sich zunächst selbst (Hauptsache die habe ihres)für Ihr lächerliches tun kräftig ab.

  • Bei solch hohen Rückkaufswerten wie hier beschrieben, lohnt sich auf jeden Fall ein Verkauf auf dem Zweitmarkt. Das bringt einen Vorteil von 3% über Rückkaufswert und ein Rest-Todesfallschutz bleibt bestehen. Durchhalten um jeden Preis ist also nicht immer zwingend die bessere Alternative zur Kündigung.

  • Als Alternative zur Kündigung bietet sich immer noch der Verkauf auf dem Zweitmarkt an. Gerade bei solch hohen Rückkaufswerten von fast 19 TDE lassen sich schon Renditen von 3% erzielen, ohne die lange Zeit zum Ablauf durchhalten zu müssen. Bei Altverträgen sogar bis zu 15%. Außerdem bleibt ein Rest-Todesfallschutz erhalten. Was man beim Verkauf beachten sollte: http://www.bvzl.de/media/Leitfaden_Qualitaetskriterien_Verkauf_deutscher_Kapitalversicherungspolicen.pdf

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