Neue Risikoklassen
Banken krempeln die Beratung um

Fünf große Emittenten von Anlagezertifikaten planen, ihre Finanzprodukte künftig in Klassen einzuteilen, die sich am objektiven Anlagerisiko orientieren. Die neuen Risikoklassen sollen nach dem „Value at Risk“-Konzept ermittelt werden, hieß es aus dem Kreis der fünf Banken. Heute wird das Konzept in Frankfurt vorgestellt.

DÜSSELDORF. Die Risikokennziffer Value at Risk benutzen Banken und Versicherungen schon lange zur internen Steuerung von Risiken. In der gängigsten Form wird mit Hilfe des Modells der maximale Verlust errechnet, der mit einem Wertpapier oder einem Portfolio innerhalb der nächsten zehn Tage entstehen kann. Da grundsätzlich das Risiko eines Totalverlusts besteht, kann die Vorhersage nur mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit richtig sein. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erkennt die Modelle zur Bewertung von Risiken an.

Nun will der Branchenverband Derivate Forum das Konzept als Hilfestellung für Bankberater und Privatkunden anbieten. Zu dem Verband gehören neben dem Marktführer im Zertifikatebereich, der Deutschen Bank, auch Sal. Oppenheim, Hypo-Vereinsbank, West LB und DZ Bank.

Unabhängige Anlageberater halten den Vorschlag für sinnvoll. „Mit Value at Risk lässt sich mehr zum Risiko sagen als mit der willkürlichen Klasseneinteilung, wie sie die Banken bisher benutzen“, sagt Peter Grieble, Anlageberater bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, die jährlich mehr als tausend vermögende Kunden berät. Bisher stufen Banken ihre Kunden lediglich in drei oder mehr Gruppen von Anlagetypen ein, auf die verschiedene Anlageformen – auch Zertifikate – verteilt werden.

„Risikoeinstufungen wie konservativ oder spekulativ benutzt jeder Berater, ohne dass sie eindeutig definiert sind“, sagt Dietmar Vogelsang, vereidigter Finanzsachverständiger aus Bad Homburg. Oft herrschten innerhalb derselben Bank zwischen den Beratern sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie viel Verlustrisiken die einzelnen Anlagetypen bereit sind zu tragen. „Value at Risk ist sicher ein guter Ansatz, um die Beratung zu quantifizieren und zu qualifizieren“, sagt Vogelsang. Allerdings müssten Rechenweg und zugrunde gelegte Daten allgemein zugänglich sein, damit die Werte auch nachvollziehbar sind.

Völlige Sicherheit vor Kursstürzen bietet das Konzept aber auch nicht. „Dass der Verlust mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit höchstens den Value at Risk beträgt, bedeutet, dass es auch gravierend anders verlaufen kann. Innerhalb der Restunsicherheit von einem Prozent ist das Risiko theoretisch grenzenlos“, sagt Vogelsang.

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Dass die Zertifikateanbieter mit dem für Anleger neuen Konzept vorpreschen, spricht für die Innovationsfreude der jungen Branche. Dabei könnte Value at Risk auch bei anderen Anlageformen Nutzen stiften. „Die Risikoklassifizierungen von Fonds sind nicht selten desolat und auch oft nicht geeignet, über konkrete Risiken unmissverständlich zu informieren“, warnt Vogelsang.

Viele Vermögensberater nutzen das Modell bereits, um die Depots ihrer Kunden auf deren Risikobereitschaft abzustimmen. Roman Tölle, Prokurist der Bielefelder Concept Vermögensmanagement sieht allerdings in der Beratung nur geringen Nutzen: „Hier kommt es vor allem darauf an, mit den Kunden zu sprechen, um ein Gefühl für deren Risikoneigung zu entwickeln“, sagt er.

Grieble rät Anlegern, innerhalb der eigenen Risikobandbreite so riskant wie möglich, also mit möglichst hohen Chancen, zu investieren. Ein Value-at-Risk-Wert kann diese Risikowahl für Anleger erleichtern.

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