Neues Investmentgesetz
Neblige neue Anlagewelt

Das neue Investmentgesetz gibt Fondsmanagern mehr Freiheit. Beim Anlegerschutz aber bleiben ärgerliche Lücken.
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Wer glaubt, das Sparkassen-Fondshaus Deka sei eine urdeutsche Einrichtung, der irrt: Von 175 Milliarden Euro Anlegergeldern, die Sparkassen-Kunden der Deka anvertraut haben, steckt rund die Hälfte in Fonds der Deka-Töchter in Luxemburg und Irland. Der Grund: Luxemburgs Finanzminister Luc Frieden hat, zum Beispiel auf Kongressen, immer ein offenes Ohr für die Interessen der Fondslobby. Fonds hatten hier traditionell mehr Freiheiten als in Deutschland, neue Produkte wurden schneller genehmigt. Der Zwergstaat ist "die international bewährte Drehscheibe der Fondsindustrie", sagt Thorsten Schrieber, der die Fonds seiner neuen Fondsgesellschaft Wallberg Kapital-Fonds dort angesiedelt hat.

Verkaufen wird er die Fondsanteile allerdings vor allem an Anleger in Deutschland. Ein Weg, den viele deutsche Häuser gehen. Gut drei Viertel der hierzulande angebotenen 14 000 Fonds kommen aus dem Großherzogtum. In dem 474 000-Einwohner-Staat – Luxemburg hat weniger Bewohner als Hannover – sind 2,1 Billionen Euro in Investmentfonds gebunkert. Damit nimmt der Zwergstaat den Spitzenplatz unter den Fondsstandorten in Europa (siehe Grafik „Die größten Fondsgesellschaften“) ein.

Der schwarz-roten Bundesregierung in Berlin stieß das mächtig auf. Um die Geldflucht der Deutschen zu stoppen und zugleich den eigenen Finanzplatz für die inländischen Fondsanbieter attraktiver zu machen, schütteten die Koalitionäre mit dem seit dem 1. Januar gültigen Investmentgesetz ein Füllhorn an Großzügigkeiten über die Finanzbranche aus: Neue Fonds sollen schneller genehmigt, Anlagevorschriften gelockert, bürokratische Hürden abgebaut werden und auch der Anlegerschutz werde verbessert, hieß es.

"Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen europäischen Ländern wurden tatsächlich beseitigt", lobt Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des deutschen Branchenverbands BVI. Doch für Privatinvestoren können vor allem die neuen Anlagefreiheiten zum Bumerang werden. Beim Anlegerschutz haben die Berliner zu sehr den Wünschen der Branchenlobby nachgegeben. Das Gesetz ist kein großer Wurf, der Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen könnte.

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