Niedrige Tonnagesteuer
Günstige Steuerregelung für Schiffsfondsanbieter bleibt

Die Anbieter von Schiffsbeteiligungen jubeln geradezu über die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD. Die Regierungsparteien sichern in ihrem Koalitionsvertrag nämlich den Erhalt der günstigen Tonnagesteuer zu. Die Tonnagesteuer ist eine pauschale Gewinnermittlungsart, die steuerliche Anfangsverluste ausschließt.

HB DÜSSELDORF. Die Steuerlast wird nach der Größe eines Schiffes bemessen und fällt unabhängig von Gewinn oder Verlust an. Die Steuerlast ist in der Praxis so gering, dass die Schiffsfonds sie aus der Portokasse begleichen können.

Allerdings suchen einige Gesellschaften noch nach Wegen, Kombimodelle, die Anlegern zunächst steuermindernde Anfangsverluste zuweisen, weiter zu vertreiben. Kombimodelle verbinden die herkömmliche Gewinnermittlung nach Gewinn- und Verlustrechnung mit der Tonnagesteuer. Die Anleger machen zunächst die für diese Modelle typischen Anfangsverluste geltend und wechseln später zur pauschalen Gewinnermittlung. Dies ist ohnehin letztmals im nächsten Jahr möglich.

Weil die Kombimodelle Anfangsverluste von mehr als zehn Prozent zuweisen, gehören sie zu den vom § 15b Einkommensteuergesetz (EStG) betroffenen Steuersparmodellen. Der designierte Finanzminister Peer Steinbrück hatte am vergangenen Wochenende angekündigt, den umstrittenen Paragrafen rückwirkend zum 10. November einzuführen, wie dies der amtierende Minister Hans Eichel zuvor vergeblich versucht hatte. § 15b EStG begrenzt sofort mit anderen Einkünften verrechenbare steuermindernde Anfangsverluste auf zehn Prozent. Darüber hinaus gehende Verluste können nur mit künftigen Gewinnen aus der selben Beteiligung verrechnet werden.

„Die neue Bundesregierung hat ein eindeutiges Signal gegeben, dass die Tonnagesteuer politisch gewollt und für die kommenden Jahre Rechtssicherheit gegeben ist“, interpretiert der Verband Geschlossene Fonds, den Koalitionsvertrag. Hans-Jürgen Kaiser-Blum, Geschäftsführer des Schiffsfonds-Emissionshauses Nordcapital fasst die Branchenmeinung zusammen: „Den Anlegern von Schiffsfonds wird eine klare Perspektive gegeben.“

Der Grund für die Euphorie: Die 1999 eingeführte Tonnagesteuer stand in den vergangenen Jahren mehrfach zur Diskussion. Ihr Wegfall hätte das zurzeit boomende Geschäft mit Beteiligungen an Containerschiffen und Tankern torpediert. So rechnet der unabhängige Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert, dass die Fondshäuser auch 2005 – wie im Vorjahr – rund drei Mrd. Euro bei Anlegern einsammeln werden. Im vergangenen Jahr hatten deutsche Anleger nach seinen Worten rund 360 Schiffe im Gesamtwert von etwa elf Mrd. Euro finanziert. Dabei kletterte der Anteil der Tanker auf ein Viertel der durch Fonds finanzierten Schiffe. Inzwischen hätten deutsche Anleger mehr als 60 Prozent der weltweiten Container-Chartertonnage finanziert, was grob geschätzt etwa einem Drittel der gesamten weltweiten Containertonnage entspreche, sagte Dobert.

Gleichwohl werden zurzeit beispielsweise von den Anbietern Ownership und HCI weiterhin Kombimodelle platziert. Beide Fonds gewähren den Anlegern Rücktrittsrechte für den Fall, dass Steinbrück seine Ankündigung wahrmacht, und den § 15b EStG rückwirkend ab 11. November in Kraft setzt. Bei Ownership, die von der neuen Regelung überrascht wurden, während ihr Angebot noch auf die Vertriebserlaubnis durch die Bankenaufsicht wartete, endet das Rücktrittsrecht am 15. Dezember. HCI gewährt es bis zu einem Monat ab Beitritt. Ownership kann wegen der gerade erst vorliegenden Genehmigung der Aufsicht erst heute mit dem Vertrieb von 19,3 Mill. Euro Eigenkapital beginnen. HCI fehlen nach eigenen Angaben noch elf Mill. Euro des geplanten Eigenkapitals von 56 Mill. Euro. Beide Emittenten garantieren die vollständige Platzierung des Fonds.

HCI möchten Kunden, die von der Streichung bisheriger Steuervorteile betroffen wären, davon überzeugen, ihr Engagement auch dann beizubehalten, wenn sie die Anfangsverluste nur noch mit späteren Gewinnen dieses Fonds verrechnen können. Bei Ownership werde in diesem Fall eine im Gesellschaftsvertrag vorgesehene quasi automatische Option zur Tonnagesteuer für die Anleger greifen, die dem Fonds treu blieben, erläuterte Marketingleiter Florian von Nolting.

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