Ohne Vinton Cerfs Erfindung läuft im Internet nichts
Der steile Aufstieg des Web-Pioniers

Vinton G. Cerf hat den Schalk im Nacken. Der bärtige 61-Jährige, der aussieht wie ein zerstreuter Professor, arbeitet an einem interplanetarischen Internet und schwärmt von Küchengeräten, die über das Netz kommunizieren können. Aber der Mann ist kein Spinner: Er ist Senior Vice President für Technologische Strategie bei der Telefongesellschaft MCI.

HB PORTLAND. Aber bekannt und geehrt – wenn auch nicht reich – machte ihn seine Vergangenheit als einer der Väter des Internets. Zusammen mit seinem damaligen Partner Robert E. Kahn entwickelte er zwischen 1976 und 1982 für DARPA, den Forschungsarm des US-Verteidigungsministeriums, das TCP/IP, ein einheitliches Protokoll für den Austausch von Daten zwischen verschiedenen Informationsnetzen. Darüber hinaus spielte er eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Technologien für die Übertragung und Sicherung auf dem damaligen Arpanet, mit dem das Pentagon seit 1969 experimentierte. 1983 konvertierte Arpanet zum TCP/IP-Standard, aber es dauerte zehn Jahre, bis sich das Protokoll endgültig gegen den Konkurrenten OSI durchsetzte. Das World Wide Web löste Vorläufer wie Arpanet und Sfnet ab, die ersten Internet-Service-Provider wie Uunet, Psinet und Cerfnet kommerzialisierten ab 1989 das Internet, und der von Marc Andreesen entwickelte Web-Browser Mosaic öffnete über seine Firma Netscape den Netzzugang für das allgemeine Publikum.

Für Vint Cerf ist das Internet Beruf und Passion. Er war Gründungspräsident der Internet Society und ist Vorsitzender der ICANN, die die Zuteilung von Namen und Nummern im Internet verwaltet. Als Gastwissenschaftler arbeitet er im Jet Propulsion Laboratory an einem interplanetarischen Internet.

Geboren wurde Cerf am 23. Juni 1943 in New Haven, Connecticut. Schon als Kind faszinierten ihn die Naturwissenschaften. An der berühmten Stanford Universität studierte er Mathematik und machte an der Universität von Kalifornien, UCLA, seinen Doktor in Computerwissenschaft. Für seine Verdienste um das Internet verliehen ihm zahlreiche in- und ausländische Universitäten Ehrendoktorwürden und US-Präsident Bill Clinton zeichnete ihn und Robert Kahn mit der U.S. National Medal of Technology aus. Die Liste seiner internationalen Auszeichnungen ist ellenlang.

Privat, so erfährt man auf seiner Web-Site (wo auch anders), liest er gerne Science- Fiction-Romane und liebt Beethoven, Bach und Mozart, obwohl er ohne Hörgeräte in beiden Ohren fast taub ist.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%