Online-Vermögensverwaltung
Ums eigene Geld kümmert sich der Roboter

Roboter statt Bankberater: Online-Vermögensverwalter helfen mit ausgefeilten Algorithmen bei der Geldanlage. Doch zwischen den Anbietern gibt es wichtige Unterschiede. Ein Überblick über die gängige Praxis.
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HamburgEssen, Nürnberg, Wiesbaden: Wo Erik Podzuweit und Stefan Mittnik in diesen Tagen Infoabende abhalten, da treffen sie auf frustrierte Anleger. Menschen, die auf Empfehlungen von Beratern Ersparnisse angelegt und dabei oft viel bezahlt und selten viel gewonnen haben. Die zugleich zu beschäftigt sind, um sich selbst um ihre Geldanlage zu kümmern. „Smart busy professionals“ nennen Podzuweit und Mittnik diese Anleger. Ihnen wollen sie bei der Anlage helfen – oder vielmehr: Der Roboter der beiden soll das tun.

Podzuweit, einst Direktor bei der Investmentbank Goldman Sachs, und Mittnik, Professor für Finanzökonometrie an der LMU München, haben das Unternehmen Scalable Capital gegründet, eine Online-Plattform, die Geld intelligenter anlegen soll, als Menschen das allein oder mit Unterstützung von Beratern tun können. Rund 40.000 Zeilen Programmiercode stecken in dem virtuellen Wesen, das bisher bei 2.000 Anlegern Geld eingesammelt und es dann investiert hat.

Scalable Capital ist nicht allein. In den vergangenen Jahren sind eine Reihe solcher neuen Online-Vermögensverwalter entstanden, die auch Robo-Advisors genannt werden. Die Wettbewerber heißen zum Beispiel Vaamo und Easyfolio, Growney und Quirion. Nach Angaben des Statistikportals Statista verwalten die deutschen Plattformen zusammen etwa eine Milliarde Euro, Tendenz: stark wachsend.

Für die Kunden soll sich das schon deshalb lohnen, weil die Robos meist günstiger sind als Berater, die sich ihre Arbeit mit Provisionen vergüten lassen. Zumindest dann – und darauf sollten Kunden achten –, wenn die Plattformen ausnahmslos in Exchange Traded Funds (ETFs) investieren: Diese Fonds bilden stur Börsenindizes ab und kommen ohne Manager aus, was sie vergleichsweise günstig macht. In der Summe verlangen die Robo-Advisor um die 1 bis 1,5 Prozent des investierten Kapitals als Treibstoff . Das ist zwar immer noch teurer, als wenn man sein Kapital eigenhändig in ETFs investiert, erspart aber viel Arbeit.

Wer bei einem Robo-Advisor Kunde werden will, muss ihn erst mal mit Daten füttern – zum eigenen Anlagehorizont und der Investmenthöhe, zur Risikobereitschaft und den bisherigen Erfahrungen mit Wertpapieren. Anschließend ermittelt ein Algorithmus, wie das Kapital auf verschiedene Anlageklassen verteilt wird – etwa auf Aktien, Anleihen, Rohstoffe.

Wie festgelegt diese Aufteilung ist, hängt davon ab, zu welcher Unterart der Robo-Advisor gehört: zu den passiven oder den aktiven. Bei Anbietern wie Vaamo und Easyfolio etwa bleibt die Verteilung des Kapitals auf die verschiedenen Anlagekörbe konstant, also zum Beispiel 70 Prozent in Anleihen und 30 Prozent in Aktien. Wenn der Wert der Körbe unterschiedlich wächst, verteilen die Algorithmen so um, dass ihr Wert wieder den festgelegten Verhältnissen entspricht. Das wird auch Rebalancing genannt, die Strategie heißt passiv.

Im Unterschied dazu ist zum Beispiel Scalable Capital ein aktiver Robo-Advisor: Er verteilt das Kapital um, wenn er Turbulenzen an den Märkten heraufziehen sieht. Beobachtet er hohe Schwankungen an den Börsen, ersetzt er zum Beispiel einen Teil der Aktien durch Anleihen. So verändert sich zwar die Mischung des Depots, dafür soll aber das Risiko konstant bleiben.

Verbraucherschützer raten bisher eher zu den passiven Geld-Robotern, weil die aktiven sich noch nicht ausreichend bewähren konnten. Der Robo von Scalable Capital hat aus Sicht seiner Erfinder aber die Feuertaufe bestanden: als die Briten im Juni überraschend für den Brexit stimmten. Die Börsen gaben nach, doch wer dem Algorithmus von Podzuweit und Mittnik sein Geld anvertraut hatte, der überstand die Turbulenzen unbeschadet. Der Robo hatte erkannt, dass die Märkte vor der Abstimmung nervös wurden – und rechtzeitig so umgeschichtet, dass die Portfolios der Anleger nicht ins Minus rutschten.

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