Optimismus bei institutionellen Investoren und gute Fundamentaldaten lassen bei Aktien weitere Kursgewinne erwarten
Euroland bleibt für Anleger erste Wahl

In seinem Höhenflug hat sich der Deutsche Aktienindex gestern bereits der Marke von 3 900 Punkten genähert - und der Aufstieg dürfte sich fortsetzen. Der Investor-Vertrauensindex des weltgrößten Wertpapierverwahrers State Street hat sich nämlich seit Jahresanfang stetig verbessert. Außerdem wird die gute Stimmung momentan auch durch neue Konjunkturdaten gestützt. Daher erwarten zahlreiche Analysten, dass die Aktienkurse im Jahr 2004 - vor allem im Euroland - vorerst weiter steigen.

FRANKFURT/M. Der Vertrauensindex bezieht sich auf die Anlagepolitik der großen institutionellen Anleger, welche State Street betreut. Sie verwalten etwa 15 Prozent der international gehandelten Wertpapiere. Das Barometer setzt positive Signale für die Börse, die doch laut Börsenprofi André Kostolany zu 90 Prozent aus Psychologie besteht.

Zu den positiven Konjunktursignalen gehörte gestern der überraschend deutliche Anstieg des Auftragseingangs in der deutschen Industrie. „Motor des Wachstums im Jahr 2004 wird die steigende Investitionstätigkeit der großen Industrienationen sein“, begründet Franz Wenzel, Senior Investment Strategist bei AXA Investment Managers, warum er einen breit angelegten Konjunkturaufschwung erwartet. Allerdings drohten längerfristig Rückschläge und die Schwankungsbreite am Markt dürfte hoch bleiben, warnen Analysten.

Aktuell setzen sie weiterhin auf zyklische – also konjunktursensible – Titel. „Zwar sind die Aktienkurse in diesem Sektor bereits stark gestiegen“, gibt Martin Gilles, Leiter Aktienstrategie bei der WestLB, zu. Aber manche zyklischen Aktien hätten immer noch nicht auf das bessere Konjunkturumfeld reagiert, so dass weitere Gewinne zu erwarten seien. Dazu zählt er beispielsweise BASF, Linde, Volvo und Siemens. Titel, die als defensive Investments gelten, aber auch auf positivere Wirtschaftsbedingungen reagierten, sind Gilles Meinung nach Deutsche Telekom, Eon, Nestlé und die Finanzaktien UBS, Bank of Ireland sowie Allianz. Auch die Commerzbank empfiehlt in ihrem Ausblick, in Euroland auf Konsumgüter zu setzen. Sie begründet es allerdings anders: Langfristig werde der Konsum in Europa auf Grund der EU-Erweiterung steigen.

Der Konjunkturoptimismus wird nach Einschätzung einiger Beobachter jedoch nicht verhindern können, dass im Jahresverlauf an den Börsen wieder Rückschläge drohen. Gilles bringt es am deutlichsten auf den Punkt: „Bis Ende des ersten Quartals werden die europäischen Märkte in der Lage sein, auf einen Konjunkturaufschwung zu setzen“, sagt er, doch dann dürfte sich das wirtschaftliche Umfeld wieder verschlechtern. Immerhin wird der Deutsche Aktienindex Ende 2004 von einigen Analysten bei über 4 000 Punkten gesehen, Wenzel etwa erwartet 4 200 Zähler, Gilles 4 300 Punkte.

Einig sind sich Beobachter darin, dass sie ihren Fokus klar auf Euroland legen. Die Deka-Bank hält amerikanische Aktien aus zwei Gründen für weniger attraktiv als europäische: „Wir gehen davon aus, dass sich der Dollar weiter abschwächen wird. Das drückt die Rendite von US-Anlagen“, sagt ihr Chef-Volkswirt Ulrich Kater. Die Ökonomen prognostizieren für Ende nächsten Jahres einen Euro-Kurs von 1,25 Dollar. Daneben bezeichnete Kater die Bewertung des US-Aktienmarktes als anspruchsvoll. „Die Gewinne müssen in diese Bewertung erst noch hineinwachsen“, sagt Kater. Das sei zwar momentan der Fall, aber große Luftsprünge könnte man vom US-Aktienmarkt für die nächste Zeit nicht erwarten. Angesichts der 2004 erwarteten Gewinnzuwächse im Unternehmenssektor sei der europäische Aktienmarkt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 attraktiv, ergänzen die AXA-Experten. Und viele Experten stimmen der Commerzbank und JP Morgan zu: Aktien dürften im nächsten Jahr höhere Gewinnchancen als Bonds bieten. Das passt in das positive Stimmungsbild der Profi-Anleger.

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