Portfolio-Manager der Man Group
„Die Märkte rechnen mit dem Schlimmsten“

Die Schuldenkrise in Europa wird die Depots der Anleger noch Jahre belasten, sagt Hans Hurschler, Anlageexperte bei der Man-Group. Die nächsten zwei Monate allerdings seien besonders kritisch. Er sieht aber auch Chancen.
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Am Wochenende wählen die Griechen. Macht Sie das als Portfolio-Manager nervös?
Nervös nicht, aber ich bin nicht besonders optimistisch. Das negativste Szenario ist wohl, dass diejenigen gewinnen, die sich nicht an die Verträge halten und die Sparverpflichtungen aufweichen wollen. Sollte dann im Juni die nächste Tranche aus dem Rettungspaket nicht ausgezahlt werden, ist ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nicht mehr ausgeschlossen. Das ist ein reelles Risiko.

Rechnen Sie mit dem Austritt?
Das ist schwer vorherzusagen. Aber ja, ich denke eher, dass es zum Bruch kommt und Griechenland nicht mehr länger zur Euro-Zone gehören wird. Wenn Sie so tief im Schlamassel stecken wie Griechenland, dann spielt es kaum eine Rolle mehr, ob sie noch tiefer darin versinken. Allerdings darf man den politischen Willen der europäischen Regierungen, die Euro-Zone in ihrer heutigen Form zu erhalten, nicht unterschätzen.

Ist ein möglicher Griechen-Austritt an den Märkten eingepreist?
Wahrscheinlich schon. Griechenland ist de facto bankrott, das wissen wir. Das ist kein neues Problem, die Märkte rechnen mit dem Schlimmsten.  Vielleicht würden die Märkte sogar kurzfristig steigen, wenn Griechenland die Euro-Zone verlässt.

Also Entwarnung für die Märkte?
Nein, ich bin mittel- und langfristig extrem pessimistisch. Die Schuldenkrise spitzt sich immer weiter zu. Einzelne Rettungsmaßnahmen verpuffen. Da werden 100 Milliarden Euro in spanische Banken gepumpt und die Renditen spanischer Staatsanleihen steigen trotzdem weiter. Irgendwann sind wir an einem Punkt, an dem solche Rettungsmaßnahmen die Börsen nicht mehr beeinflussen. Egal, wie viel Liquidität in den Markt fließt, es nutzt nichts mehr. Staatsanleihen, Aktien und auch der Euro geraten immer weiter unter Druck. Solange keine langfristige politische Basis zur Lösung der Schuldenkrise gefunden wird, bleibt die Stimmung an den Märkten extrem angespannt.

Spekulieren Sie gegen den Euro?
Wir investieren in Assets; weltweit und damit auch in Europa. Daher sichern Fondsmanager den Euro ab, wenn sie davon ausgehen, dass er an Wert verlieren könnte. Der Euro wird mittelfristig nicht an Stärke gewinnen. Kurzfristig ist natürlich eine Erholung nicht ausgeschlossen, aber mittel- bis langfristig sehe ich eher eine Euro-Schwäche. Ich würde in den kommenden Wochen nicht auf einen steigenden Euro setzen. Aber wer weiß, die Lage an den Märkten kann schnell drehen. Wenn eine nachhaltige Lösung für die Krise gefunden wird, kauft vielleicht alle Welt Euro. Im Grunde ist es mit Währungen wie mit Aktien. Der Titel, auf den ich setze, muss etwas wert sein und gute Aussichten haben. Das gilt auch für Währungen. Wenn Sie nur davon ausgehen, dass mehr davon gedruckt wird, kaufen Sie besser nicht.

Ist die Euro-Zone in der jetzigen Form noch zu retten?
Auf dem Papier lassen sich die Probleme relativ einfach lösen. Sie können Schuldenschnitte vornehmen, die EU und vor allem die Währungsunion umstrukturieren, einen Währungsverbund anstelle der Union setzen. In der Realität ist das aber sehr, sehr schwierig – vor allem kurzfristig. Deswegen wählen die Politiker den Weg des kleinsten Übels, retten von Fall zu Fall ein Land oder seine Banken. Dabei sind langfristige Planbarkeit, Haftungsprinzip und Rechtssicherheit die Grundlagen für eine funktionierende Wirtschaft.

Kommentare zu " Portfolio-Manager der Man Group: „Die Märkte rechnen mit dem Schlimmsten“"

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  • Ich finde es nur dumm, dass nur diejenigen Tranferleistungen zahlen sollen, die sich durch Arbeits- und Wirtschaftsdisziplin auszeichnen. Es wäre wesentlich besser, wenn es umgekehrt wäre: Dass also diejenigen abgeben, die Löhne, Gehälter und sonstige Einkommen über Gebühr kassiert haben. Z.B. in Griehcnland viele Freiberuflicher, die ungenügende Steuern zahlen. Warum soll ich als Deutscher hart arbeiten, um das müssige Leben im Europas Süden zu finanzieren ?

  • Ich finde es nur dumm, dass nur diejenigen Tranferleistungen zahlen sollen, die sich durch Arbeits- und Wirtschaftsdisziplin auszeichnen. Es wäre wesentlich besser, wenn es umgekehrt wäre: Dass also diejenigen abgeben, die Löhne, Gehälter und sonstige Einkommen über Gebühr kassiert haben. Z.B. in Griehcnland viele Freiberuflicher, die ungenügende Steuern zahlen. Warum soll ich als Deutscher hart arbeiten, um das müssige Leben im Europas Süden zu finanzieren ?

  • Helmut KOHL rät:

    "...den EURO in seinem Lauf,
    halten weder Ochs noch Esel auf...!"

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