Profi-Anlageempfehlung
Italien und Spanien können Krise aus eigener Kraft meistern

Die Rettungspakete haben den EU-Ländern lediglich mehr Zeit gebracht, sagt Oliver Postler von der Hypo Vereinsbank. Jetzt folgt als Herausforderung für Anleihinvestoren die Zinswende.
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MünchenDie europäische Schuldenkrise ist keine Krise der gemeinsamen Währung, sondern einzelner Länder. Mit den Rettungspaketen wurde bislang nur Zeit gekauft. Auf die Dauer dürften Solvenzprobleme aber nicht mit Liquidität zu lösen sein. Denn Schulden lassen sich nicht mit noch mehr Schulden bekämpfen. Vielmehr sind tiefgreifende Reformen erforderlich, die Jahre brauchen werden, um spürbare Erfolge zu erzielen.

Die Märkte gehen derzeit fest davon aus, dass es zu einer Restrukturierung bei griechischen Anleihen kommt. Es wird eigentlich nur noch über den Zeitpunkt diskutiert. Kurzfristig ist damit jedoch kaum zu rechnen, aus vielfältigen Gründen: Der Reformdruck auf Griechenland könnte gemindert werden. Die Ansteckungsgefahren Irlands und Portugals würden zunehmen.

Das Risiko von Portfolioverlusten in den Büchern der EZB und insbesondere bei französischen sowie deutschen Banken würde steigen. Auch stellt eine Umschuldung keine "echte" Lösung der griechischen Schuldenproblematik - was fehlt, ist schlichtweg wirtschaftliches Wachstum.

Wie der Disput ausgeht, ist offen. Die Investoren sind verwirrt und nervös. Die Rendite zweijähriger griechischer Staatstitel ist auf über 26 Prozent gestiegen, während die gleichen Laufzeiten bei deutschen Staatstiteln etwa 1,7 Prozent Rendite bringen. Auch spanische Zinspapiere sind unter Druck. Weniger aufgrund von Ansteckungseffekten, sondern vielmehr aufgrund echter Besorgnis: Bei den Auktionen langfristiger Anleihen blieb die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück.

Von der EZB sind in diesem Jahr noch zwei Erhöhungen des Leitzinses von derzeit 1,25 auf einen Jahresendstand von 1,75 Prozent zu erwarten. Wir gehen davon aus, dass die Renditen kurzer Laufzeiten analog zu den erwarteten Zinserhöhungen ansteigen, so dass die zweijährige Bund-Rendite bis Ende 2011 einen Stand von etwa 2,50 Prozent erreicht haben sollte. Bei längeren Laufzeiten sollten sich die höheren Leitzinsen weitaus weniger gravierend auswirken.

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  • Wenn Griechenland pleite geht, welche Macht der Welt kann dan noch die Pleite von Portugal und Irland aufhalten?
    Wenn Portugal pleite geht, wer glaubt dann wirklich dass Spanien nochmals davonkommt?
    Wenn Spanien pleite geht, was wird dann wohl mit dem Euro passieren?
    Wer logisch denken kann sieht ganz klar den vorgezeichneten Weg.

    Und was ist dann der Rat dieses Analysten spanische und italienische Anleihen zu kaufen noch wert?
    Und was wird wohl mit dem Kurs der deutschen Rentenpapiere passieren, die heute gekauft wurden?
    Man bedenke: die Zinsen steigen, das ist immer der schlechteste Zeitpunkt Rentenpapiere zu kaufen.

  • Ach, die Spanier werden auch nicht alles kreuzbrav mitmachen, was die Deutschen von ihnen abverlangen. Die Europäische Integration geht nun mal über Arbeitslosigkeit, Sozialleistungen-Abbau, Krisen und Schulden. Die Deutschen selbst beschweren sich laufend über alles, aber eine anständige Millionendemo gegen die Milliardenspritzen packen sie nicht. Warum? Weil sie eigentlich Schiss haben, die EHEC Bakterien sind im Hinterkopf. LG aus Athen.

  • Sie dürfen das nicht interpretieren, Sie müssen das wörtlich betrachten. Selbst Deutschland könnte eine eventuelle Krise Meistern, irgendwie, wenn einem nichts Anderes übrig bleibt wird man sie auch dann "meistern" müssen.

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