Profi-Anlageempfehlung
Sachwerte bieten Sicherheit

Markus Taubert, Leiter Private Banking der Berenberg Bank, zeichnet Szenarien der Euro-Schuldenkrise. Für alle Wahrscheinlichkeiten sollte der Anleger gerüstet sein. Der Experte gibt Ratschläge für schwierige Zeiten.
  • 12

Die Länder der Euro-Zone bleiben auch nach der Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms EFSF angesichts der anhaltenden Schuldenkrise weiter unter Druck. Die Krise konnte nicht auf Griechenland begrenzt werden, sondern hat sich auf mehrere Länder ausgebreitet und deren Finanzierungskosten an den Kapitalmärkten deutlich ansteigen lassen. Daran konnten auch bislang die Staatsanleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) nichts ändern.

Zusätzlich reagiert die Politik gespalten: Während von der EU-Kommission die Einführung von Euro-Bonds erneut diskutiert wird, enttabuisiert die Bundesregierung inzwischen sogar ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone. Aber wie geht es weiter?

Das erste, weniger wahrscheinliche Szenario geht von einer Fortsetzung der Krise mit weiteren Staatsbankrotten, aber ohne Austritte aus der Euro-Zone aus. Das Vertrauen der Märkte in die Sanierungsfähigkeit der Schuldenländer würde in diesem Fall nicht zurückkehren, Griechenland wäre nur ein Präzedenzfall in einer Reihe von Staatspleiten. Dieses Szenario würde eintreten, wenn die Zweifel der Märkte bestehen blieben und die EZB nicht eingriffe, weil das Volumen des Rettungsschirms EFSF zu klein und auch günstige Konditionen für Euro-Bonds nur begrenzt umsetzbar wären.

Eine Rezession in Europa wäre die Folge. Man müsste von weiteren Verlusten an den Aktienmärkten ausgehen, eine Bankenkrise wäre wahrscheinlich. An den Rentenmärkten würden sich die Verluste bei den Krisenländern ausweiten, während die „Safe-Haven-Länder“ vorerst profitierten. Die europäische Gemeinschaftswährung käme erheblich unter Druck.

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  • Sonderkonditionen für die 'Wackelkandidaten" könnten zwar auf Widerstand stossen und dazu führen, dass am Ende fast jeder Sonderkonditionen möchte. Das darf aber nicht passieren. Sonderkonditionen sind nur Utlima Ratio, damit das Konstrukt auf Dauer funktioniert und es am Ende nicht dazu führt, dass einige wenige, darunter Deutschland, die Schulden aller abzahlen müssten. Erinnern wir uns an die Reparationszahlungen nach dem 1. Weltkrieg. Genau so eine Situation muss vermieden werden. Auch wenn einige Schuldensünder damit ein paar Vorteiel bekämen. Im Verhältnis geht es denen aber ohnehin schon so schlecht, dass man das denen doch gönnen kann.

    In jedem Fall dürfte das alles weswentlich billiger kommen, als Eurobonds auf Dauer kosten würden. Und das Risiko, dass Deutschland durch die Haftung für alles und alle am Ende selbst in den Abgrund gerissen würde, wäre deutlich geringer. Die Alternative wäre ein Auseinanderbrechen der Eurozone, was nicht unbedingt der Ruin Deutschlans wäre. Aber es gäbe, vor allem international, heftige Verwerfungen und vor allem unkontrollierte Entwicklungen.
     
    Letztendlich ist das zum einen eine Rechenaufgabe und zum anderen eine politische Entscheidung, ob man den Schuldenländern in der jetzigen Situation helfen möchte, oder ob man für die generell unbegrenzt haften möchte. letzteres darf auf gar keinen Fall passieren. Und um weltweit eine Stimme zu haben, die gehört wird, muss Europa zumindest nach aussen geeint auftreten. Da ist der Euro, zumindest symbolisch, sicher ein wichtiges Instrument.

  • Und wie wird mit diesem "Erblastentilgungsfonds" verfahren? Idealerweise wird jedes Land den, seinem Schuldenanteil entsprechenden Anteil mit Zins und Tilgung über die nächsten 20 Jahre abzahlen. Die Mittel dazu müssen entweder dem jeweiligen Staatshaushalt entnommen werden, oder aber per Sonderabgabe von jedem Bürger erhoben werden. Da kann man den Staaten ja Spielraum lassen. Die gessamtschuldnerische Haftung für dieses Konstrukt dürfte jedenfalls für ein moderates Zinsniveau sorgen, zumal ja in diesem "Erblastentilgungsfonds EURO" keine Neuverschuldung auftreten darf, sondern nur getilgt wird.

    Ein Sonderfall dürfte aber Griechenland sein. Selbst wenn man die auf 60 % zurückbringt, weden die vermutlich schon schnell wieder diese Grenze überschreiten. Für solche Härtefälle braucht man also eine andere Lösung. Auch Italien könnte möglicherweise eine Sonderregelung brauchen.

    Hier muss man überlegen, ob man den Schuldenschnitt konsequent durchzieht, oder aber den Griechen ein Sonderrecht für die Schuldentilgung einräumt. z.B. indem Sie ein paar Jahre Tilgungsaussetzung bekommen oder sogar von der Zinszahlung befreit werden. Dafür müsste es aber sowohl Sicherheiten, als auch Gegenleistungen geben. Staatsvermögen müsste an den Fonds zur Sicherheit übertragen werden, allerdings keine "Fruchziehung" daraus. Und es wäre dringend nötig dort die allgegenwärtige Korruption mit Hilfe der EU ein für alle mal auszumisten.
     

  • 1.?
    Herr Schäuble hat vorgeschlagen, dass alle Staaten den Anteil an den Staatsschulden, die über die 60 % hinausgehen, ähnlich den Erblastentilgungsfonds, auslagern. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, geht allerdings nicht weit genug. Besser wäre es in der Tat, wenn man diese Schulden alle in einen Topf wirft, zumindest virtuell und dann mit einer gesamtschuldnerischen Haftung versieht. Das könnte zwar im schlimmsten Fall bedeuten, dass Deutschland und einige andere für diese Schulden aufkommen müssten. Aber es ist eben ein "überschaubarer" Betrag und das Eintreten dieses Falles weit weniger wahrscheinlich.

    Ob man einfach die Staatsschuldenbonds in den Fonds überträgt, oder aber durch neue Bonds, die dieser Fonds ausgibt ersetzt, das wäre noch zu prüfen. Das hängt auch davon ab, ob und wenn ja welches Rating dieser Fonds bekommen würde.

    Da alle Staaten dann wieder in der 60 % Grenze wären, werden die Märkte, zumindest nach einer Zeit, wieder "normale" Zinsen für Bonds verlangen. Was aber duchaus heissen wird, dass manche Länder deutlich höhere Zinsen zahlen müssen. Allein das wird helfen die Haushalte zu disziplinieren. Vor dem Euro war es ja genau das, was diese Staaten davon abgehalten hatte zu hohe Schulden zu machen. Durch solides Haushalten kann ja jede Nation ihr Rating nachhaltig verbessern. Daran hindert sie ja niemand.

    Das Ganze muss eben auch von der EZB solange mitgetragen werden, bis die Märkte wieder zu normalen Konditionen Bonds kaufen. Im Klartext: die EZB muss die Bondmärkte stützen durch Aufkäufe auf dem Sekundärmarkt. Eine Situation wie in den USA und in GB sollten wir aber verhindern, indem die EZB weiterhin keine neuen Bonds aus Emissionen aufkaufen darf.

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