Profi-Anlageempfehlung
Seltene Edelmetalle bereichern das Depot

Gold ist bei Anlegern beliebt. Wer sein Depot diversifizieren möchte, sollte aber auch auf seltenere Edelmetalle setzen, empfiehlt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank.

FrankfurtDie Schuldenkrise der Industrienationen und allgemeine Wachstumssorgen belasten die Weltmärkte. Angesichts schwankender Börsenkurse haben viele Anleger auf der Suche nach Sicherheit Teile ihres Vermögens in Gold umgeschichtet. Doch auch die "ultimative Krisenwährung" ist nicht frei von Risiken. Sollte sich der langfristige Höhenflug des Goldpreises fortsetzen, nimmt die Gefahr einer Blasenbildung deutlich zu. Höchste Zeit also, sich an eine Grundregel des Investierens zu erinnern: Der eigentliche sichere Hafen ist nicht eine einzelne Anlage, sondern ein gut diversifiziertes Portfolio.

Neben Gold können dem Portfolio im Rahmen der Risikostreuung deshalb auch Silber und seltenere Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium beigemischt werden. Die drei letztgenannten zählen zu den Platinmetallen. Ihre weltweiten Fördermengen sind gering - Platin und Palladium erreichen jeweils weniger als ein Zehntel der Goldförderung, das seltene Rhodium sogar nur ein Hundertstel. Im Gegensatz zu Gold, das überwiegend als Vermögensanlage nachgefragt wird, sind die Platinmetalle vor allem Industrierohstoffe. Platin und Palladium werden unter anderem bei der Herstellung von Katalysatoren, Laborgeräten und Zahnimplantaten eingesetzt, die industrielle Nachfrage - inklusive der Schmuckindustrie - liegt bei rund 90 Prozent der Gesamtnachfrage.

Rhodium ist besonders wichtig in der Automobilindustrie beim Katalysatorenbau. Weltweit werden nur rund 25 Tonnen Rhodium im Jahr produziert. Silber dagegen kommt viel häufiger vor - 2010 wurden über 22 000 Tonnen gefördert. Obwohl die industrielle Nutzung von Silber mit über 80 Prozent überwiegt, wird es von vielen Anlegern auch als Investition zur Absicherung des Portfolios verstanden.

Mit ihren unterschiedlichen Charakteristiken ermöglichen Edelmetalle eine zusätzliche Risikostreuung im Portfolio. Gold und Silber weisen besonders in Krisenzeiten in der Regel eine gegenläufige Korrelation zum Aktienmarkt auf und bieten deshalb kurzfristige Absicherungsmöglichkeiten. Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis in US-Dollar um rund 16 Prozent gestiegen. Das hat Anlegern geholfen, Aktienmarktverluste zu dämpfen.
Platin, Palladium und Rhodium sind wegen ihrer überwiegend industriellen Nutzung konjunktursensitiver: Vor allem Palladium und Rhodium haben mit einem Minus von 22 beziehungsweise 23 Prozent in diesem Jahr spürbar auf die schwächeren Konjunkturaussichten reagiert. Mittelfristig könnten sie aber auch von einem moderaten Wachstum der Weltwirtschaft profitieren.

Ausgehend von der Erwartung, dass eine weltweite Rezession vermieden werden kann und sich der ISM-Einkaufsmanagerindex in Amerika über 50 Punkten etabliert, sehe ich daher besonders bei den stark industriell genutzten Platinmetallen bis Ende 2012 deutliche Potenziale. In risikoreichen Zeiten sollten sich jedoch Gold und Silber gegenüber selteneren Edelmetallen besser entwickeln, da sie weniger stark industriell genutzt werden.

Anleger können die genannten Edelmetalle sehr flexibel in Form von Exchange Traded Commodities (ETCs) erwerben. Dabei handelt es sich um strukturierte, börsengehandelte Wertpapiere, die die Wertentwicklung des zugrundeliegenden Rohstoffs abbilden. Das Ausfallrisiko wird in der Regel durch die Hinterlegung mit physischen Edelmetallen weitgehend abgedeckt. Da Rohstoffe in US-Dollar gehandelt werden, ist für Euro-Anleger eine zusätzliche Währungsabsicherung empfehlenswert. Noch bequemer sind Fondslösungen, bei denen verschiedene Edelmetalle in einem Investment zusammengefasst und regelmäßig neu gewichtet werden, um damit einen optimalen Diversifizierungseffekt zu erzielen.
Ulrich Stephan ist Chef-Anlagestratege für Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank. Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider, sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

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