Sachsen-Anhalt bietet islamische Anleihe an
Anlegen mit Allahs Segen

Gläubige Muslime dürfen für ihr Geld keine Zinsen kassieren. So will es der Koran. Daher sind sie auf Investmentprodukte angewiesen, die in anderer Form Rendite bringen. Die Banken wittern einen Milliardenmarkt. Auch die Regierung in Magdeburg setzt auf Islamic Banking.

DÜSSELDORF. Drei Tage ist Edgar Kresin mit Investmentbankern der Citigroup am Persischen Golf gewesen – erst in Dubai, dann in Bahrain. Er ging auf Roadshow, um Investoren für die erste Islamic-Banking- Anleihe, die in Europa emittiert werden soll, aufzutreiben. Kresin, Kreditmanager im Finanzministerium von Sachsen-Anhalt, will für das mit einer Verschuldung von 16 Mrd. Euro chronisch klamme Bundesland 100 Mill. Euro am Golf leihen.

Ende Juli soll die Anleihe nach islamischen Anlagegrundsätzen platziert werden. Der sachsen-anhaltinische Finanzminister Karl-Heinz Paqué hofft bei hoher Resonanz auf niedrigere Finanzierungskosten: „Jeder Euro, den wir an Zinsen sparen, spart Steuergelder.“ Sein Finanzexperte Kresin hat deshalb mit über 60 Investoren gesprochen. Und die Nachfrage sei sehr groß gewesen.

Kein Wunder, denn muslimische Investoren haben nach einer Studie des Bankenverbands Institute of Islamic Banking and Insurance über 250 Mrd. Euro auf der hohen Kante. Ein Großteil des Geldes war nach dem 11. September 2001 und dem Irak-Krieg aus den USA zurück an den Golf geflossen und wartet nun darauf, neu investiert zu werden. Rund fünf Mrd. Euro könnten davon in Deutschland angelegt werden, schätzt Tomas Vrana, Vorstand des Essener Finanzdienstleisters ECMG.

Das Geld muss allerdings korankompatibel angelegt sein; denn „Allah hat den Handel erlaubt, aber den Zins verboten“, so steht es in Vers 275, Sure 2. Gläubige Muslime dürfen daher weder Zinsen zahlen noch annehmen und auch nicht in Unternehmen investieren, deren Geschäfte gegen die Lehren des Korans verstoßen. Banken, die sich an den Koran halten, verleihen ihr Geld daher nicht in Form von Krediten.

Termingeschäfte sind ebenso tabu wie Hedge-Funds oder Kreditkarten. Die Institute investieren in Projekte und sind – ähnlich einem Risikokapitalgeber – an Gewinnen und Verlusten beteiligt. Gläubiger und Schuldner sind so etwas wie Partner in einer Bankbeziehung. Schiff- und Flugzeugbau oder Immobilien sind beliebte Investitionsfelder.

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