Serie: Kapitalmarktrisiken
Börsen ignorieren Geopolitik

Geopolitische Spannungen rücken stärker ins Bewusstsein, weil die Zahl der internationalen Konfliktherde steigt. In vielen Problemzonen drohen die Auseinandersetzungen zu eskalieren. Auch die Finanzmärkte wären betroffen.

FRANKFURT. Eine Zuspitzung der Lage beispielsweise im Mittleren Osten oder des Taiwan-Problems könnte die Weltwirtschaft belasten und auch die Finanzmärkte in Mitleidenschaft ziehen. „Interessant ist, dass die internationalen Börsen kaum negativ darauf reagieren und stattdessen unverändert auf einen intakten Konjunkturaufschwung, auf stabile oder sogar steigende Unternehmensgewinne setzen“, sagt Markus Miller. Der Deutsche bietet von Mallorca aus mit einem Netzwerk internationaler Banken im Rücken Vermögensplanung unter Berücksichtigung geopolitischer Fragen an.

Geopolitische Spannungen entstehen durch aufeinander prallende politische und wirtschaftliche Interessen – mit globalen Auswirkungen. Wesentliche Spieler sind die Weltmacht USA und der aufstrebende Konkurrent China, außerdem Russland, Japan und in Zukunft stärker Indien. Teilweise stehen die Handlungsmotive in Verbindung mit den internationalen terroristischen Aktivitäten und den wachsenden Gegensätzen zwischen den islamischen Staaten und der westlich geprägten Welt.

Häufig sind die Interessen vom Streben nach Sicherheit bei der Rohstoffversorgung geleitet – eine gesicherte Rohstoffversorgung ist entscheidend für das Überleben jeder Volkswirtschaft. Dieses Motiv stellt auch Marc Faber in den Vordergrund, der sich mit seinen langfristigen Analysen von Wirtschafts- und Börsentrends einen Namen machte. Er sieht das aufstrebende China auf Konfliktkurs mit den USA (siehe Interview: „Starke Belastungen“).

Der Umgang mit geopolitischen Risiken bereitet Fachleuten in vielerlei Hinsicht Probleme. Es beginnt bereits mit der Identifizierung der wichtigsten Konfliktzonen. „Im Zentrum steht der Mittlere Osten“, sagt beispielsweise Carl Bildt, ehemaliger schwedischer Premierminister und jetzt Chairman von Kreab, einer internationalen Beratungsgesellschaft für Kommunikation in Stockholm. Bildt sieht in der Region des Mittleren Ostens verschiedene Konfliktherde, die sich gegenseitig aufschaukeln: „Die Lage in Afghanistan wird komplizierter, der Irak steht am Rande eines Bürgerkrieges, die Situation im Iran eskaliert, dazu kommt noch das Palästina-Thema.“ Ganz aktuell drängt sich auch Nordkorea mit seiner Ankündigung eines Atomtests und möglicher UN-Sanktionen im Gefolge wieder ins Bewusstsein.

Eine andere Denkrichtung verfolgt George Friedman, Chef von Stratfor, einer US-Beratungsfirma für Fragen der Geopolitik und Sicherheit mit Sitz in Austin, Texas. „Wir sehen die weitere Entwicklung der islamischen Welt als zentral an“, sagt er. Darüber hinaus stellt Friedman die Zukunft Russlands, die innenpolitischen Probleme Chinas und die prekäre Lage im Pazifischen Raum ins Zentrum seiner Überlegungen. Beim letzten Punkt ist er sich in der Beurteilung einig mit Faber: „Im Pazifischen Raum besteht die Gefahr, dass die Interessen asiatischer Länder mit denen der USA kollidieren.“

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