Tool der Woche – Festgeld
Wie Zinsjäger aus dem Euro fliehen

Der Euro verliert an Wert und dieser Trend könnte anhalten. Anleger, die ihrer Währung misstrauen, können Konten in fremder Währung eröffnen. Die Zinsen können sich sehen lassen, die Risiken sind aber groß.
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Bald steht wieder ein trauriges Jubiläum an. Am Montag vor sechs Jahren meldete die US-Investmentbank Lehman Insolvenz an. Die Folge war eine Finanzkrise, die zu wirtschaftlichen Verwerfungen auf der ganzen Welt führte. Jetzt zeigt sich: Die großen Volkswirtschaften kommen im unterschiedlichen Tempo aus der Krise. In den USA kommen Konjunktur und Arbeitsmarkt schneller in Gang als in der Eurozone.

Vor allem die Südländer verharren in der Krise. In der Folge driftet auch die Geldpolitik der großen Notenbanken auseinander. Während die Europäische Zentralbank (EZB) zuletzt den Leitzins auf 0,05 Prozent senkte und den Kauf von Wertpapieren ankündigte, läuten die US-Notenbank Fed oder die Bank of England einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ein.

Geldanleger auf dem alten Kontinent beobachten diese Entwicklung mit Argusaugen. „Die Renditen kurzfristiger US-Staatsanleihen werden vermutlich in naher Zukunft relativ zu den Renditen in Europa deutlich ansteigen“, sagt Chris Iggo von Axa Investment Managers. „Dies dürfte den Euro auf ein Mehrjahrestief im Vergleich zum US-Dollar drücken.“ Seit Mai dieses Jahres sackte der Euro von einem Kurs von 1,39 US-Dollar unter die Marke von 1,30. Die US-Investmentbank Goldman sieht bis zum Ende des Jahres 2017 sogar eine Parität bei den Währungen.

Einige Anleger dürften daher eine Flucht aus dem Euro erwägen. Wer auf entsprechende Fonds oder Zertifikate verzichten möchte, kann ein Konto in fremder Währung eröffnen. Dabei sollten Anleger Vorsicht walten lassen, denn Währungswetten gehören zu den spekulativsten Geldgeschäften, auch wenn es sich „nur“ um Zinskonten handelt.

Verschiedene Anbieter reiten die Anti-Eurowelle. Die Internetseite Weltsparen.de bietet etwa Festgeld-Konten in Norwegischen Kronen an. Eine Innovation: Die BN Bank ist das erste Norwegische Institut, das Kronen-Festgelder direkt nach Deutschland vermitteln lässt. Beträge von bis zu zwei Millionen Kronen (rund 240.000 Euro) schützt die norwegische Einlagensicherung.

Die Norweger locken mit einem Zins von zwei Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr. Zum Vergleich: Die Sydbank offeriert für die gleiche Laufzeit 1,1 Prozent für norwegische Kronen. Die renditestärksten Festgelder von Banken in Euro liegen aktuell bei 1,5 Prozent für Neukunden. Anbieter sind die VTB Bank und die Denizbank, die von der EU sanktionierten russischen Finanzkonzernen angehören. Allerdings sind die österreichischen Töchter, bei den das Geld angelegt wird, von den EU-Sanktionen nicht betroffen.

Nach Auswertung der FMH Finanzberatung liegen bei der gesetzlichen deutschen Einlagensicherung die Gefa Bank und SWK Bank mit einem Satz von 1,1 Prozent vorne. Interessenten können mit dem Festgeld-Vergleich von Handelsblatt Online die individuell besten Festgelder ermitteln.

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  • Ein früherer EZB-Chef (Axel Weber), ein ehemaliger EZB-Chefvolkswirt (Jürgen Stark) und ein Professor für Volkswirtschaftslehre (Bernd Lucke) neben vielen anderen, namhaften Ökonomen mahnen seit geraumer Zeit, sich der begrenzten Möglichkeiten der EZB bewusst zu sein, wenn es um die Rettung des Euros geht. Von den makroökonomischen Bedenken abgesehen gibt es ebenfalls seit Jahren öffentliche Kritik an den Verletzungen von Verträgen, die das Regelwerk der europäischen Union bzw. Gemeinschaftswährung bilden. Die Erfolglosigkeit der bisherigen Bemühungen findet regelmäßig ihren impliziten Ausdruck in der Feststellung, die Euro- wie auch die globale Finanzkrise seien noch nicht vorbei. Es ist außerordentlich erstaunlich, mit welcher „Arroganz der Macht“ diese Einwände in unserer Demokratie ignoriert werden können und die von einflussreichen Lobbys gelenkten Politiker ihr Rollenspiel unbeirrt nach der Maxime Kohls fortsetzen: „Die Karawane zieht weiter.“ Insofern gibt der Erfolg der AfD Anlass zur Hoffnung, dass die etablierten Parteien zur Rechenschaft gezogen werden könnten und selbstkritisch eigenes Handeln überdenken. Womöglich begäbe sich das Land ein Stück zurück zu gelebter, wirklicher Demokratie.

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