Transparenz
Wirecard-Aktie legt nach Zahlen kräftig zu

Der Bezahldienstleister Wirecard hat mit seinen Halbjahreszahlen den Vorwurf einer irreführenden Bilanzierung weiter entkräftet. Gleichzeitig hob das Unternehmen die Gewinnprognose für 2008 leicht an. Die transparentere Berichterstattung beruhigte die Analysten, was sich auch im Aktienkurs niederschlug.

FRANKFURT. Die im TecDax notierte Wirecard-Aktie zog um rund 16 Prozent an und schloss bei 7,89 Euro. In den ersten sechs Monaten 2008 stieg der Konzernumsatz des Bezahldienstleisters um 56 Prozent auf 88 Mill. Euro und der operative Gewinn um 67 Prozent auf 22 Mill. Euro. Für 2008 stellt Wirecard nun einen Anstieg des operativen Gewinns von 45 bis 60 Prozent nach zuvor „mindestens 45 Prozent“ in Aussicht.

„Weder die bereits Anfang Juli vorab veröffentlichen Zahlen noch die erhöhten Gewinnprognosen sind eine Überraschung. Entscheidend ist, dass Wirecard zu einer transparenteren Berichterstattung in den einzelnen Geschäftsbereichen und im Hinblick auf den Cash-Flow übergegangen ist“, kommentierte Björn Stübner, Analyst der WestLB das Zahlenwerk. „Die zentrale Ziffer in dem Bericht ist der erstmals publizierte bereinigte Cash-Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit im ersten Halbjahr 2008. Er lag mit 14,9 Mill. Euro im Rahmen meiner Erwartungen“, sagt Commerzbank-Analystin Heike Pauls. Auch der freie Cash- Flow war mit 14 Mill. Euro im zweiten Quartal positiv.

Neben der Änderung im Cash-Flow-Statement hat Wirecard erstmals die Aktivitäten im Bankgeschäft separat ausgewiesen. Das Unternehmen unterhält auch eine Bank, um die komplette Wertschöpfungskette der Bezahldienstleistungen abzudecken. Diese bislang in der Bilanz des Unternehmens nicht separat ausgewiesene Wirecard Bank AG, eine niedrige Steuerquote sowie ein im ersten Quartal 2008 negativer Free Cash Flow animierte Ende Juli die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zu einem offen ausgetragenen Disput mit Wirecard über eine möglicherweise irreführende Bilanzierung. Aus Wettbewerbsgründen will Wirecard zudem nicht offenlegen, welchen Umsatz- und Gewinnbeitrag Online-Glücksspiele liefern.

„Der Halbjahresbericht ist ein Fortschritt in Sachen Transparenz“, sagt Marco Zeidler, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Doch er moniert, dass Wirecard den eigenen Cash-Bestand immer noch unbereinigt ausweist. In den gut 146 Mill. Euro, die Wirecard unter diesem Posten ausweist, seien auch Kundeneinlagen enthalten, die dem Unternehmen nicht gehörten. Aufgrund des positiven operativen Cash-Flows im zweiten Quartal und der erhöhten Prognose rät Zeidler allerdings weiter zum Kauf der Aktie; den fairen Wert sieht er bei 13,50 Euro. Einen deutlichen Kursanstieg erwartet er vorerst aber nicht „Die große Prüfung des 2007er-Abschlusses durch Ernst & Young steht noch aus.“ Mit den Ergebnissen der von Wirecard in Auftrag gegebenen Sonderprüfung der Bilanz 2007 rechnen Analysten für Ende September.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%