Trotz Börsenbaisse interessieren sich viele Deutsche für Investmentclubs
Investmentclubs: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Die Deutschen gehen auf Nummer sicher: Trotz Börsenbaisse interessieren sich viele Anleger für Investmentclubs. Die Grundidee ist dabei, viele kleine Beträge zu einer großen Summe zusammenzulegen, um Risiken besser zu streuen.

FRANKFURT/M. Ackerbau und Viehzucht brachten nicht genug ein. Farmer Jack Brooks wollte vom Wachstum der Industrie profitieren. Gemeinsam mit Freunden sammelte er Kapital an und investierte es in Aktien – der erste Investmentclub war geboren. In Texas schrieb man das Jahr 1898.

In Deutschland fand diese Idee erst im Jahr 1962 Nachahmer, als in Bottrop der erste Club gegründet wurde. Heute gibt es in Deutschland nach Schätzungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf rund 7 000 Investmentclubs privater Investoren. Meist haben die Gruppen die nicht körperschaftsteuerpflichtige Form der Gesellschaft bürgerlichen Rechts gewählt.

Abgesehen davon gibt es drei große, professionell gemanagte Investmentclubs mit Depotvolumina von bis zu 50 Mill. Euro, die von der Bankenaufsicht überwacht werden: Das sind der Itzehoer Aktien Club, der Münchner Investment Club und der Hanseatische Aktien-Club aus Hamburg.

Die Grundidee der Investmentclubs ist, viele kleine Beträge zu einer großen Summe zusammenzulegen, um Risiken besser zu streuen. Zum Beispiel können die Mitglieder statt zwei dann 20 Aktien unterschiedlicher Branchen kaufen. So wird das Risiko von Kursverlusten einzelner Titel gesenkt. Außerdem sind Transaktionskosten wie Bankgebühren bei einer gemeinschaftlichen Großorder geringer als bei Einzelaufträgen.

Während bei den professionell gemanagten Clubs das Ziel der Vermögensvermehrung im Vordergrund steht, ist für Mitglieder der anderen Investmentclubs ein weitererer Aspekt wichtig: „Ihnen geht es auch um Geselligkeit, sie wollen sich mit Gleichgesinnten treffen“, sagt Harald Rotter von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) in München. Dass Investmentclubs hier zu Lande großen Anhang finden, wundert ihn nicht: „Der Clubgedanke ist in Deutschland weit verbreitet.“ DSW-Sprecher Jürgen Kurz bestätigt, die Leute hätten trotz flauer Börsenzeiten Spaß an den Club-Treffen, „allerdings machen sie weniger Umsatz, handeln seltener an der Börse“.

Interessierte sollten sich aber im Klaren sein: Die Qualität eines Investmentclubs hängt entscheidend von seinen Mitgliedern und deren Fachkenntnissen ab. Einsteiger sind also gut beraten, sich einen Club mit langjährigen Börsenkennern zu suchen.

Da die als Gesellschaft bürgerlichen Rechts organisierten Investmentclubs nirgendwo registriert sein müssen, fällt es schwer, solche Gruppen aufzuspüren. Die einfachste Lösung: Man gründe selbst einen Club. Musterverträge von Anlegerschützern helfen dabei. Interessenten können auch im Internet nach solchen Gruppen Ausschau halten. Eine Möglichkeit ist auch, bei ortsansässigen Banken, die Depots der Hobbybörsianer betreuen, nachzufragen. Manchmal inserieren Clubs auch in Regionalzeitungen. Hier ist Vorsicht geboten. Um nicht auf schwarze Schafe hereinzufallen, sollten Anleger beachten: Seriöse Gruppen erkennt man daran, dass dem Interessenten Zeit gewährt wird, Mitglieder und Philosophie kennen zu lernen. Anlagerisiken werden nicht beschönigt. Die Mitglieder rücken auch Daten zur Depotentwicklung heraus. Die DSW warnt: Vorsicht vor Investmentclubs, die für die Anlagetätigkeit „geringe Gebühren“ verlangen oder versprechen, sich „um alles zu kümmern“, aber Anlegern ihr Stimmrecht verweigern wollen.

Starten sollten Clubs mit einem Beitrag zwischen 100 und 500 € je Mitglied, raten erfahrene Clubchefs. Monatlich sollten die Mitglieder Raten zwischen 25 und 150 € einzahlen. Mindestens ein Clubmitglied sollte Bankerfahrung haben. Ansonsten ist auch Fachwissen in Sachen Buchführung wünschenswert. Der Gründungsvorgang sollte aus rechtlichen Gründen protokolliert werden. Alle Gründungsmitglieder müssen den Gesellschaftervertrag unterschreiben.

Die SdK rät: Um später Streitigkeiten zu vermeiden, sollte bereits bei der Clubgründung schriftlich festgehalten werden, welche Anlagestrategie die Gruppe verfolgen will. Wichtig ist, auch mögliche Abweichungen von der Strategie in die Vertragsgestaltung einzubeziehen. So sollten die Clubmitglieder etwa von vornherein klären, ob neben Aktien auch Termingeschäfte zugelassen sind. Sonst ist Ärger bei Strategiewechseln vorprogrammiert – und auch der Spaß am geselligen Zusammensein vorbei.

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Gewusst wie!

Leitfaden zur Gründung: Die Web-Seite „www.investmentclub.de“ bietet einen Leitfaden zur Clubgründung. Verfasser des Papiers ist die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Auswahl bestehender Clubs: Clubs in Ortsnähe sind unter „www.investmentclub-online.de“ zu finden. Auf dieser Webseite, die unter anderem von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre aus der Taufe gehoben wurde, werden auch Antworten auf häufig gestellte Fragen gegeben, etwa zur Anteilsberechnung für die Mitglieder.

Buchtipp: Hilfreich für Einsteiger ist das Buch „Investmentclubs - Gemeinsam den Schritt an die Börse gehen“ von Martin Aehling (Deutscher Taschenbuch Verlag).

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