Unternehmen und Regierung wollen Hauptversammlungen aufwerten
Dividendenbonus soll Aktionäre locken

Aktionäre, die Hauptversammlungen besuchen oder sich vertreten lassen, können in Zukunft mit einer Belohnung rechnen. Das Bundesjustizministerium will „alle Maßnahmen prüfen, die darauf abzielen, die Präsenz der Aktionäre auf Hauptversammlungen (HV) zu erhöhen“.

HB BERLIN. Dazu gehöre ausdrücklich auch ein Dividendenbonus für Aktionäre, wenn sie an der HV teilnehmen, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) in Berlin. Mit dem EU-Recht wäre das vereinbar. Letztlich bleibt es aber jedem Unternehmen selbst überlassen, einen Bonus zu zahlen. Emittenten, Aktionärsschützer und Fondsgesellschaften begrüßten das Vorhaben unisono.

Die Regierung betrachtet die abnehmende Präsenz auf HVs mit Sorge, da damit Zufallsmehrheiten bei wichtigen Entscheidungen programmiert sind. Das haben sich in der Vergangenheit Hedge-Fonds zu Nutze gemacht. Der Corporate-Governance-Experte Theodor Baums von der Universität Frankfurt verweist auf das Beispiel Deutsche Börse AG. Dort sei es dem Hedge-Fonds TCI mit einem Anteil von zehn Prozent gelungen, die geplante Übernahme der London Stock Exchange zu verhindern und den Vorstandschef Werner Seifert abzusetzen. Die geringe Präsenz auf HVs erlaube es anwesenden Kapitalvertretern, ganz gezielt mit einem geringen Anteil weit reichende Entscheidungen zu treffen. „Die Konsequenzen von Fehlentscheidungen haben dann alle anderen Aktionäre mitzutragen“, sagt Baums.

Auch Unternehmer befürworten eine Initiative, um Aktionäre auf Hauptversammlungen zu locken. Der Finanzvorstand der Allianz, Paul Achtleitner, sprach sich gegenüber der „Börsenzeitung“ für einen Dividendenbonus aus. „Anreizstrukturen“ hält er für ein „effektives Instrument“. Sie würden institutionelle Investoren dazu zwingen, an der HV teilzunehmen, weil sie sonst ihrer Verpflichtung gegenüber den Fondsinhabern nicht gerecht würden. „Wir können uns das gut vorstellen“, sagt auch Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI).

Das DAI setzt sich vor allem für die Belange der großen Emittenten unter den Aktiengesellschaften ein. „Das würde die Gefahr, dass es Zufallsmehrheiten gibt, verringern.“ Privatanleger hätten dann wieder mehr Interesse, sich beispielsweise über eine Aktionärsvereinigung vertreten zu lassen. Es sei auch denkbar, dass die Volksbanken und Sparkassen dann wieder einen Anreiz haben, ihre Kunden in den HVs zu vertreten. Die Präsenz in den HVs sei vor allem deshalb so stark zurückgegangen, weil die Institute darauf verzichtet haben, ihre Kunden weiterhin zu vertreten, so Leven.

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