Viele Calls, wenige Puts
Anleger wetten fast nur auf steigende Kurse

Viele Anlegern sehen in Optionsscheinen immer noch ein reines Zockerelement. Dabei eignen sie sich auch zur Absicherung des Portfolios.

FRANKFURT/M. Beim Spekulieren mit Optionsscheinen sind Anleger derzeit wieder extrem optimistisch. Sie wetten mit Calls fast ausschließlich auf steigende Kurse von Aktientiteln. Damit zeigt sich aber auch, dass viele Investoren Optionsscheine noch immer als reines Zockerelement begreifen, nicht aber als Absicherungsinstrument für ihr Wertpapier-Portfolio. „Die vielfältigen Möglichkeiten von Optionsscheinen als Risikoabsicherung werden von den Anlegern leider immer noch zu wenig genutzt“, sagt Wolfgang Gerhardt, Derivateexperte bei Sal. Oppenheim.

Grundsätzlich können sich die Investoren bei den einfach aufgebauten Optionsscheinen zwischen Calls (Kaufoptionen) und Puts (Verkaufsoptionen) entscheiden. Um sich einen schnellen Ertrag zu sichern, kaufen Anleger Optionsscheine auf Wertpapiere, die sie berechtigen, diese Anteile in der Zukunft zum zuvor bestimmten Basispreis zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

Ein Anleger kann sich aber auch zum Beispiel eine Aktie kaufen und diese mit einem Put gegen einen Kursverfall absichern. Doch neun von zehn gekauften Hebelprodukten setzen heute wieder auf steigende Kurse. Vor einigen Monaten war dies noch anders. „Die Absicherungsstrategie hat sich in der breiten Masse noch nicht durchgesetzt“, sagt Steffen Scheuble, bei der Deutschen Bank für Derivate zuständig. „Die Anleger tendieren bei fallenden Kursen dazu, sofort die Aktie zu verkaufen.“ Die große Anzahl der Anleger sei optimistisch und setze nur ungern auf fallende Kurse.

Stattdessen kauften sie Aktien und Calls im Doppelpack – in der Hoffnung auf mehrfachen Gewinn. „Die Anleger verhalten sich nur selten rational“, kommentiert Scheuble diese Strategie. Die Optionsscheine würden so vom Hedging-Instrument, dass das Portfolio absichert, zum reinen Spekulationsobjekt. Das Volumen allein bei Hebelprodukten hat von Februar auf März in Deutschland von 9,8 auf 11,3 Milliarden Euro zugenommen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat der Handel dieser Produkte sogar um drei Milliarden Euro zugelegt. Puts haben nach Angaben der Emissionsbanken am Geschäft nur einen Anteil von knapp zehn Prozent.

Dabei kann sich ein Put-Kauf ebenso wie ein Call lohnen – vorausgesetzt der Anleger hat ein Gespür für die Entwicklung seiner ausgewählten Unternehmen. So hatte zum Beispiel ein Put der Deutschen Bank (WKN DB6D3H) auf Nokia in wenigen Tagen seinen Wert nahezu verdreifacht. Grund: Der finnische Mobilfunkriese gab eine überraschende Gewinnwarnung aus, worauf der Kurs einbrach.

„Wegen der Hebelwirkung können die Anleger überproportional von den Entwicklungen am Aktienmarkt profitieren“, sagt Scheuble. Einen weiteren Vorteil von Optionsscheinen können die Investoren bei fallenden Märkten ausspielen. „Dann steigt fast immer die Volatilität der Aktien. Optionsscheine, die eine Auszahlungen verbrieft haben, steigen deshalb im Wert“, sagt Scheuble.

Nicht nur Zocker sollten wegen der Gewinnchancen Optionsscheine in Erwägung ziehen. Selbst konservativen Anlegern sei wegen der Absicherungsfunktion ein Einstieg zu empfehlen, rät Gerhardt. Für Gerhardt ist es deshalb längst nicht mehr zeitgemäß, dass Optionen häufig noch immer der „Geruch des Hochspekulativen“ anhaftet. Verantwortlich für das schlechte Image sind vor allem Day-Trader, Wertpapierhändler die oft in Sekundenschnelle kaufen und verkaufen.

Allerdings können auch Anleger mit Puts auf fallende Kurse wetten. Als Kandidaten für sinkende Notierungen gelten unter Analysten Titel der Automobilbranche, die jüngst mit schwachen Ergebnissen enttäuscht haben, darunter VW oder Daimler-Chrysler. Doch bei dieser Wette müssen Anleger bereit sein, den Totalverlust zu riskieren, für den Optionen berüchtigt sind.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%