VW, Porsche, Scania und MAN
Analysten sehen Rally der Autoaktien kritisch

Die Übernahmespekulationen im Automobilsektor haben die Kurse von europäischen Autoaktien am gestrigen Donnerstag weiter angetrieben. Während sich die Anleger auf Titel der Branche stürzen, warnen Analysten vor Übertreibungen. Skeptisch bewerten die Experten vor allem den rasanten Kursanstieg der VW-Aktie.

FRANKFURT. „Im Moment ist schon sehr viel an positiven Entwicklungen und möglichen Übernahmen in den Kursen drin, die Bewertungen werden arg strapaziert“, sagt Georg Stürzer, Analyst der Hypo-Vereinsbank (HVB). In die gleiche Richtung zielt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler: „Es ist überfällig, dass man sich mal wieder ganz nüchtern die Realitäten anschaut.“

Skeptisch bewerten die Experten vor allem den rasanten Kursanstieg der VW-Aktie. Seit Mitte Juni hat diese rund 70 Prozent an Wert gewonnen und liegt mit 87 Euro so hoch wie seit dem Jahr 1998 nicht mehr. „Das aktuelle Kursniveau wird durch die operative Entwicklung nicht mehr gestützt“, sagt Patrick Juchemich, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Im Licht der Abgänge von Vorstandschef Pischetsrieder und womöglich Markenchef Bernhard sei der hohe Aktienkurs nur durch die Übernahmephantasie zu rechtfertigen. „In einem normalen Kontext wäre die Kursreaktion auf solche Nachrichten anders ausgefallen“, gibt er zu bedenken.

An der Börse haben die Anleger im Moment aber nur Ohren für die Gerüchte, dass Porsche die Mehrheit an VW übernehmen könnte. Dabei halten die Experten Anteilskäufe über die angestrebten 29,9 Prozent hinaus für unrealistisch: „Bisher war die Beteiligung an VW für Porsche ein sehr gutes Geschäft. Ich wüsste jedoch nicht, was ihnen weitere Käufe bringen sollten, wenn man von einem Finanzinvestment ausgeht“, sagt Elmar Zurek, Fondsmanager der DWS.

„Porsche erzielt mit seinem Geschäft sehr hohe Renditen. Im Falle einer VW-Übernahme würde die Rentabilität deutlich leiden“, ergänzt Metzler-Analyst Pieper. Sollte der Sportwagenhersteller diese dennoch anstreben, würde er seine Empfehlung für die Aktie möglicherweise verändern. Bisher sieht Pieper die Porsche-Aktie als „einzigen starken Kaufkandidaten im Sektor“. Sein Kursziel: 1 050 Euro – 140 Euro über dem aktuellen Niveau. Damit zählt Pieper zu den größten Optimisten, die meisten Banken geben Kursziele zwischen 950 und 1 000 Euro aus. In ihrem Urteil sind sich die Experten aber weitgehend einig: Gut zwei Drittel empfehlen Porsche-Aktien zum Kauf, nicht zuletzt dank der überzeugenden Vorabzahlen für das Jahresergebnis.

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