Warren Buffett ist kein Mann des Glamours
Der gegen den Strom schwimmt

Als Dreikäsehoch steht Warren Buffett in der Zentrale von Goldman Sachs an der Wall Street und ist fasziniert. Das erste Mal spekuliert er an der Börse mit elf Jahren. Heute hat er ein geschätztes Vermögen von rund 52 Milliarden Dollar.

NEW YORK/FRANKFURT.Man muss es sich vermutlich bildlich vorstellen: Als Dreikäsehoch von vielleicht sieben Jahren - genauer weiß er das selbst nicht mehr - stand Warren Buffett das erste Mal mit seinem Vater, einem Aktienhändler, in der Zentrale von Goldman Sachs an der Wall Street. Nach eigener Darstellung wurde der Frühreife dort empfangen und behandelt "wie ein Erwachsener". Seither hat ihn die Faszination Goldman nicht losgelassen, und das gilt vermutlich auch umgekehrt. Finanzkreisen zufolge hatte er bereits mit Mitte 20 einen direkten Draht zum damaligen Bankchef Sidney Weinberg. Und der aktuelle Goldman-Vorstandschef Lloyd Blankfein suchte den Investor 2003 direkt nach seiner Inthronisierung zur Beratung auf.

Daraus zu schließen, Buffett habe aus Nostalgie fünf Mrd. Dollar in Goldman gesteckt, greift zu kurz. Denn der 1930 in Omaha im Bundestaat Nebraska geborene Buffett schwimmt gerne gegen den Strom. "Es ist schmerzlich, auf so viel Geld zu sitzen. Aber noch schmerzlicher ist es, etwas Dummes damit anzustellen", lautet eines seiner vielen Bonmots. Daher hat er sich Ende der 90er Jahre von Investitionen in Internetwerten ferngehalten. Stattdessen kaufte er Anteile an Firmen, deren Geschäftsmodell er mit den Händen greifen konnte. Der Brause-Multi Coca-Cola fasziniert ihn ebenso wie der Konsumgüter-Riese Procter & Gamble. Damit lag er richtig, wie sich nach dem Kollaps der Internetblase zeigte. Zuletzt war er einer der ersten, die die durch den Ölpreisanstieg ausgelöste Renaissance der Eisenbahnen erkannten und groß einstiegen.

Der Marktwert seiner Berkshire-Holding liegt aktuell bei 203 Mrd. Dollar. Seit 1965, als er die Kontrolle über die einstige Textilfabrik Berkshire Hathaway übernahm, schlug sein Fonds - mit Ausnahme von sechs Jahren - den Aktienindex S&P 500. Eine solch lange Erfolgsserie kann kaum ein anderer Investor vorweisen. Die A-Aktien von Berkshire halten sich trotz der schweren Finanzkrise deutlich über der Marke von 120 000 Dollar je Anteil. Der Kurs zeigt nicht nur sinnbildlich an, wie erfolgreich Buffett arbeitet: Einen Aktiensplit hat es unter seiner Regie nie gegeben. Doch sein Einfluss geht längst weit über die eigene Finanzkraft hinaus. Viele Anleger beobachten seit Jahren jeden seiner Schritte und versuchen, ihn zu kopieren. Politisch steht er im Gegensatz zu seinem erzkonservativen Vater, dem einstigen US-Kongressabgeordneten Howard Buffett: Er ist ein Freund der Demokraten und gilt als einer der wichtigsten Finanzberater von US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama.

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