Wegen unsicherer Marktlage
Börse: Sommerflaute nicht in Sicht

Den Beginn der Ferienzeit setzen Börsianer meist mit einer Flaute an den Aktienmärkten gleich. Verabschieden sich die Anleger in den Urlaub, werden auch die Orders weniger. Eine Seitwärtsbewegung der Börsen war in den vergangenen Jahren meist die Folge. Doch in diesem Jahr scheint alles anders.

FRANKFURT/M. Seitdem Ende Juni mit Schleswig-Holstein das erste Bundesland den Beginn der Ferienzeit einläutete, legte der Deutsche Aktienindex (Dax) um rund 8 % zu. Zum Wochenende werden nun 13 von 16 Ländern in den Ferien sein, und trotzdem ist noch immer tagtäglich reichlich Bewegung im Dax.

„Die Sommerzeit wird in diesem Jahr sicher nicht so langweilig wie in den vorangegangenen Jahren“, sagt Carsten Klude vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg. Vielmehr rechnet er damit, dass die Märkte in diesem Sommer große Schwankungen zeigen werden. „Es wird diesmal sehr viel sportlicher zugehen“, ist Klude sicher.

Das liegt nach Ansicht der meisten Strategen an der erheblichen Verunsicherung, die derzeit sowohl von konjunktureller als auch von Unternehmensseite auf die Anleger einwirkt. Aus beiden Bereichen ergeben sich teilweise innerhalb eines Börsentages völlig konträre Tendenzen. Beispielsweise fiel in dieser Woche der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) überraschend positiv aus, gleichzeitig hieß es vom Institut für Wirschaftsforschung in Halle (IWH), dass das Vorziehen der Steuerreform die Konjunktur nicht in Schwung bringen wird. Und von Unternehmensseite kamen gerade aus den USA positive Überraschungen, etwa die Quartalszahlen von Intel und JP Morgan. Auf der Gegenseite enttäuschten Apple, Ford und Nokia. Die Flut dieser völlig unterschiedlichen Einflüsse sind derzeit nur schwer abzuschätzen und dürften nahezu die gesamte Ferienzeit beherrschen, heißt es von den Strategen.

Speziell für den deutschen Aktienmarkt kommt noch erschwerend hinzu, dass im zweiten Quartal der Euro gegenüber dem Dollar auf ein Niveau bis 1,20 kletterte und gerade die exportabhängigen Branchen extrem belastete. Ebenfalls belastend wirkte der Streik in den neuen Bundesländern, der die Produktion bei BMW und VW lahm legte. „Das zweite Quartal war sicher nicht rosig“ sagt Klaus Schrüfer von der SEB. Er sieht deshalb während der Urlaubszeit bis in den September hinein für den Dax nur begrenztes Potenzial nach oben. Erst für das dritte Quartal gebe es Indizien, dass es mit der Wirtschaft aufwärts gehe.

Deshalb sehen die Experten trotz des rasanten Anstiegs zuletzt auch keinen Grund, in Aktionismus zu verfallen und vor einem bevorstehenden Urlaub noch unüberlegt einzusteigen. „Der Dax wird auf Grund einer vom Euro geprägten negativen Berichtssaison Ende September nicht höher stehen als im Moment“, sagt Andreas Hürkamp von der West LB. Erst dann erwarten die Strategen ein weiteres Anziehen der Aktienkurse. Vor allem die Auftragseingänge der Unternehmen sollen dann wieder steigen.

Sowieso hat der deutsche Leitindex mit seinem Kursplus seit Anfang Juli bereits den langfristigen Durchschnitt weit übertroffen. In den letzten 40 Jahren stieg er im Juli durchschnittlich um 0,9 %, während er im August um 0,3 % verlor und im September sogar um 2,2 % einbrach. Das zeigt eine Langfrist-Erhebung von WestLB Panmure. „Mit diesem Muster rechnen wir auch in diesem Jahr wieder“, sagt Hürkamp.

Dass es wie im vergangenen Jahr nach positiven Indizien zu Beginn der Ferienzeit nach deren Ende erneut zu einem Einbruch kommt, glaubt indes niemand. „Dafür gibt es diesmal nicht diese Vielzahl an exogenen Faktoren wie noch 2002“, meint Klude von M.M Warburg. Damals bestimmten Bilanzskandale beispielsweise um Enron das Bild, hinzu kam die Unsicherheit nach der Bundestagswahl und der damals bereits aufkeimende Irak-Konflikt. Das verunsicherte die Anleger und führte dazu, dass die Kurse gerade in den ansonsten starken Schlussmonaten eines Jahres erneut fielen. Von diesen Seiten droht diesmal – zumindest nach aktuellem Stand – keine Gefahr.

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