Weiterer Kapazitätsaufbau bei Finanzhäusern erwartet
Steigender Bedarf an Anlageprodukten für Rohstoffe

Immer mehr Anlagekapital fließt in Rohstoffe. „Weltweit hat sich das Volumen in wenigen Jahren auf geschätzte 66 Mrd. Dollar verdreifacht. Eine weitere Verdreifachung erwarte ich in den kommenden Jahren“, sagt Rohstoffexperte Christoph Eibl von Tiberius Asset Management.

FRANKFURT/M. Die weltweite Kapitalisierung der Aktienbörsen beträgt dagegen rund 40 000 Mrd. Dollar. Daran gemessen kommen die Rohstoffe nur auf 0,2 Prozent. Umfragen von Barclays Capital und anderen Häusern unter institutionellen Anlegern belegen, dass die Großanleger ihre Engagements erhöhen wollen.

Die Rohstoffhausse läuft seit mehreren Jahren. Die aktuellen Höchstpreise beispielsweise für Öl, Gas und Kupfer belegen die Dynamik des Aufwärtstrends (Grafik). Fachleute wie der selbstständige Berater Jim Rogers sehen die „Commodities“ am Beginn eines Superzyklus, der durchaus noch zehn Jahre oder länger dauern kann. „Nach den jüngsten Aufschwüngen sind die Märkte reif für eine Korrektur, aber der Trend läuft noch mindestens eine Dekade oder länger“, schätzt auch ABN-Amro-Experte Stephan Kunze, der demnächst als Geschäftsführer der größten deutschen Fondsgesellschaft, DWS, seine Expertise für Rohstoffprodukte in die Waagschale wirft.

Auch andere Entwicklungen illustrieren den Boom. Weltweit entstehen immer mehr Rohstoffbörsen, wobei vor allem Asien mit zahlreichen Neugründungen auf sich aufmerksam macht. Auch die noch kleinen Finanzzentren des Nahen Ostens wie Dubai springen mit der Schaffung von Gold- und Ölbörsen auf den Zug auf.

Das fordert die Finanzhäuser und Vermögensverwalter zu verstärkten Aktivitäten heraus. „Mittel- bis langfristig müssen die Gesellschaften weitere Kapazitäten aufbauen“, urteilt Kunze. Das zeigt sich auch im Personalbedarf. Weltweit suchen Banken händeringend nach Rohstoff-Kennern für die Bereiche Risikomanagement, Vertrieb und Handel sowie Produktentwicklung, wie in der Personalrubrik der Fachorganisation „Bullion Desk“ abzulesen ist. Auch deutsche Banken heuern solche Fachleute immer stärker an.

Allerdings sind die einzelnen Finanzhäuser je nach Ausrichtung in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Die großen Investmentbanken wie Goldman Sachs oder JP Morgan sind im Rohstoffhandel wie auch als Anbieter von Anlageprodukten aktiv. JP Morgan meldete erst am Montag den Ausbau seiner Rohstoff- und Devisensparte: Fünf neue Leute wurden für den Bereich Handel und Vertrieb eingestellt. In der deutschen Bankenwelt mangelt es im Rohstoffgeschäft an der notwendigen Infrastruktur. So kann nicht verwundern, dass die „Big Player“ ihr Geschäft vor allem von London aus betreiben „Wir sind in Deutschland bei Rohstoffen weder im Vertrieb noch im Research vertreten“, sagt eine Sprecherin der UBS. Dabei war diese Schweizer Bank eine der ersten, die in Deutschland Anlageprodukte auf die führenden Rohstoffe emittiert hat.

Doch auch der nationale Markt bewegt sich. Die im Rohstoffgeschäft liegenden Chancen haben zum Beispiel die HVB und die Bayerische Landesbank erkannt. Beide Häuser haben ihre personellen Kapazitäten auf diesem Gebiet im Research wie auch im Risikomanagement ausgeweitet. „Die riesige Nachfrage nach Sicherungsgeschäften im Energiesektor von Seiten der Firmenkunden hat uns fast umgeworfen“, heißt es bei der HVB.

Aktuellstes Beispiel für Aktivitäten auf dem deutschen Markt ist die Gründung eines Investmenthauses ausschließlich für Rohstoffanlagen. Christoph Eibl und Markus Mezger, die sich bei Dresdner Kleinwort Wasserstein bzw. der BW-Bank einen Namen als Commodity-Fachleute machten, sind die führenden Köpfe beim neuen Anbieter Tiberius Asset Management. Sie werden einen von Oppenheim Pramerica aufgelegten und aktiv verwalteten Investmentfonds betreuen, der in Rohstoff-Terminkontrakte und physische Ware investiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%