Wichtigster Index auf Allzeithoch
Anleger wetten auf Moskau

Besitzer russischer Aktien können den „Schampanskoje“ schon mal kalt stellen – trotz des Kurseinbruchs im Mai und eines schwächeren Ölpreises hat der RTS, wichtigste russische Index, die Hausse fortgesetzt und mit über 1 800 Punkten ein Allzeithoch erreicht. Die Rally dürfte sich 2007 – wenn auch langsamer als in diesem Jahr– fortsetzen.

MOSKAU. Während der RTS, in dem die 50 größten Unternehmen des Landes auf Dollar-Basis vertreten sind, 2005 ein Plus von 83 Prozent hingelegt hatte, dürfte die Anleger am Ende dieses Jahres ein Anstieg von rund 65 Prozent erfreuen.

Die Rally in Russland dürfte sich 2007 – abgeschwächt – fortsetzen. Roland Nash, der leitende Analyst bei der Investmentbank Renaissance Capital, erwartet, dass der RTS, der gut zur Hälfte aus Energiewerten besteht, um weitere 35 Prozent klettert. Chris Waefer, Chef-Stratege der Alfa-Bank hält dagegen nur ein Plus von rund 20 Prozent für realistisch: „Wir sehen ein Risiko beim Ölpreistrend“, sagt Weafer. Sowohl eine neue Spitze auf den Ölmärkten als auch ein schwacher Dollar würden den Rubel weiter stärken und damit die Margen der exportorientierten Energiekonzerne dämpfen. Weafers Strategie ist daher klar: „Wir bevorzugen die Unternehmen, die sich auf den heimischen Markt konzentrieren“.

Zum Beispiel im Immobiliensektor: Renaissance Capital erwartet, dass russische Immobilienfirmen im kommenden Jahr rund 2,5 Mrd. Dollar an der Börse einspielen werden. Ihre Aktien könnten einen Ertrag zwischen 20 und 40 Prozent erzielen, schätzt Alexej Jasykow, der bei der Investmentbank den Bereich beobachtet. Nach wie vor sei es so, dass der Bausektor trotz des Immobilienbooms der Nachfrage nicht hinterherkomme. OAO Open Investment, eine Entwicklungsgesellschaft, die unter anderem von dem russischen Milliardär Wladimir Potanin kontrolliert wird, zählt zu Jasykows Lieblingswerten.

Auch im Einzelhandel stehen die Zeichen weiter gut. Die Experten der Alfa-Bank erwarten, dass der Sektor Raten weit über dem durchschnittlichen Zuwachs der Wirtschaft erreicht. Das real zur Verfügung stehende Einkommen in Russland werde im nächsten Jahr um gut zehn Prozent zulegen und damit den Konsum weiter beflügeln. „Wir erwarten zudem, dass sich der Markt weiter konsolidiert“, sagt der Alfa-Stratege Weafer – möglicherweise auch durch den Eintritt internationaler Konzerne wie Wal-Mart oder Carrefour.

Doch auch der russische Energiesektor bleibt in Bewegung – besonders bei Strom und Gas. Experten erwarten, dass der Umbau des staatliche Stromgiganten RAO UES in eine neue Phase treten wird – mit einem steigenden Anteil ausländischer Investoren und der Privatisierung von Kraftwerksgesellschaften. Die UES-Aktien waren im vergangenen Jahr bereits um 136 Prozent gestiegen. Im Gassektor dürften vor allem die noch relativ unabhängigen Produzenten wie Novatek profitieren. Bei rasant steigender Nachfrage im Inland wird das RTS-Schwergewicht Gazprom wohl verstärkt bei den Unabhängigen einkaufen, um sich abzeichnende Engpässe bei der eigenen stagnierenden Produktion ausgleichen zu können.

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