Zinsen
Wohin mit dem Geld?

Anleihen werfen kaum noch Rendite ab. Tages- und Festgelderträge sind auf mickrige Niveaus gefallen. Durchschnittlich bekommen Sparer nur noch ein Prozent Zinsen. Doch mit den richtigen Geldanlagen kommen Sparer auch im Zinstief auf eine ordentliche Verzinsung - und können trotzdem ruhig schlafen.
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Mit Hochprozentigem kennen sich Mexikaner eigentlich aus. Auf 38 Prozent bringt es ihr weltbekannter Agaven-Schnaps Tequila. Doch als die Mexikaner Anfang Oktober eine Staatsanleihe mit der ungewöhnlich langen Laufzeit von 100 Jahren ausgaben, zeigten sie sich bei der Verzinsung ungewohnt knauserig. Mutige Investoren erhalten für sich - und Generationen nach ihnen - nur sechs Prozent jährliche Rendite. Solch einen Zins können sich Anleger allenfalls schöntrinken.

Die Zeiten hoher Zinsen bei überschaubarem Risiko sind vorbei, auch in Deutschland. Auf Tagesgeld bekommen Sparer im Durchschnitt nur noch 1,1 Prozent Zinsen. Legen sie ihr Geld für ein Jahr an, wirft es mit 1,3 Prozent kaum mehr ab. Sichere Anleihen mit rund drei Jahren Laufzeit bringen nur zwei Prozent. Es gab Zeiten, da machte Geldanlegen deutlich mehr Spaß. Ende 2008 mussten selbst solide Schuldner wie Daimler oder Metro Anleihezeichnern neun Prozent Rendite bieten. Heute finden sie schon für drei Prozent Zinsen Abnehmer - und das bei langen Laufzeiten ihrer Papiere.

Risikofreudige Zinsjäger suchen neue Jagdgründe. Sie greifen zu Schwellenländer-Staatsanleihen, etwa aus Mexiko, oder den Schuldscheinen mittelständischer Unternehmen. So sammelten jüngst der Hamburger Agrarbetrieb KTG Agrar (aktuell 5,5 Prozent Rendite) und der Müslihersteller Schneekoppe aus Buchholz in der Nordheide (5,9 Prozent) über Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit erfolgreich Geld bei Investoren ein. Auch in den kommenden Jahren wird es an solch mittel- bis hochspekulativen Anleihen, bei denen auf kurz oder lang einige Schuldner zahlungsfähig werden dürften, nicht mangeln. Laut Ratingagentur Moody?s müssen europäische Unternehmen mit mangelhafter Kreditwürdigkeit zwischen 2011 und 2014 rund 300 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Einen Großteil ihres Kapitalbedarfs werden sie über neue Schuldscheine decken wollen.

Die Risiken von Mini-Anleihen wie bei KTG Agrar oder Schneekoppe mit Volumina bis 50 Millionen Euro sind für Anleihezeichner nur wenig überschaubar, Einschätzungen zur Kreditwürdigkeit großer Ratingagenturen gibt es nicht. "Bei vielen Anleihen kleinerer Unternehmen mit Laufzeiten von einigen Jahren, wiegt die Rendite das Risiko mittlerweile nicht mehr auf", sagt Frank Frommholz, Honorar-Finanzberater aus Hamburg. Nur wer bereit ist, für etwas mehr Rendite ein hohes Risiko einzugehen, mischt solche Mittelstandsanleihen anderen, soliden, aber niedrig verzinsten, Papieren bei.

Anleger sollten generell bei Anleihen, Tages- und Festgeld nicht nur auf hohe Zinskupons schielen. Das Rendite-Risiko-Profil muss stimmen - das gilt besonders im aktuellen Zinstief, wo nahezu alle Schuldverschreibungen keinerlei Ungemach an den Finanzmärkten verkraften.

Ist das Geld geschützt, wenn der Schuldner ausfällt? Können Investoren auf ihr Geld zugreifen, wenn die Zinsen wieder steigen oder die Inflation anzieht? Drohen in solchen Szenarien Kursverluste - oder bleibt zumindest die eingezahlte Summe sicher erhalten?

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Kommentare zu " Zinsen: Wohin mit dem Geld?"

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  • Wer mit bis zu 50.000 Euro frei verfügbarem Kapital noch immer in Richtung Versicherung, Fonds oder Anleihen schielt, hat sich noch nicht ausreichend von seiner Manipulation verabschiedet. Und wer sich bei 6% "einen antrinken muss", für wesentlich risikoreichere Finanzprodukte zu haben ist, der soll bitte hinterher nicht heulen, wenn er sein Geld in den Sand gesetzt hat. Wir sehen nun dank der Finanzkrise, dass auch berater und Emittenten ein Risiko bedeuten können. Da leg ich mein Geld lieber selbst an. 6%? Ja bitte, aber per Monat. Als Kleinanleger muss ich halt mehr Zeit in mein Geld investieren. Aber es lohnt sich, anderen einmal NiCHT zu vertrauen...

  • > Merkels Garantie kein Verlass - sie ist
    > unverbindlich und nicht einklagbar

    DAS würd ich aber anders sehen. Die Garantie war laut und deutlich, und deutsche Gerichte halten inhalte von öffentlichen Verlautbarungen als glaubhaft, d.h. der bürger muß sich daraf verlassen können daß sie stimmen.

    Wer als NOA-bank-Geschädigter Probleme hat, sollte gegen die Regierung klagen.

    Auch der Rest ihres Artikels ist hanebüchen: Zwar wird bei Dividenden darauf hingewiesen, daß die Rechnung nur stimmt, wenn die Dividende so bleibt und der Aktienkurs nicht fällt (was quasi utopisch ist), aber bei Tagesgeldkonten wird munter gerechnet. Auch deren Ertrag ist morgen eventuell schon futsch. immerhin bleibt der Nominalwert erhalten (wenn die bank nicht pleite geht, denn die deutsche Einlagensicherung ist die schlechteste Europas, die zahlt keine Zinsen und nur 90% des Nominalwertes und die bankeigene Garantie ist NiCHTS wert)

    Dann wird vor Staatsanleihen gewarnt, die inflation könnte ja kommen, aber inflationsindizierte Anleihen werden gar nicht erst genannt.

    Daß Fonds nicht erwähnt wurden, ist hingegen klug, denn sie dienen nur der Abzocke der bankkunden.

  • Na das ist ja komisch!

    Erst über Mexiko im Artikelanfang aufregen (...schöntrinken...) und dann weiter unten empfehlen.

    Völlig beknackt!

    Dann dieses beimischen! Mischen Mischen Mischen!

    Wenn ich nur 20000€ habe, gibt es nicht viel zu mischen. Die Kohle steckt mann zu 75% in einen Dachfonds und den Rest in einen Geldmarktfonds.

    Eine richtige Aufteilung (auch Asset Allocation genannt) geht frühestens bei 100.000€, besser noch 500.000€!

    Da haben wir aber schon wieder das nächste Problem, was zu Defiziten auf der einen (Steueraufkommen) und zu inflationären Folgen auf der anderen Seite führt. Nicht jeder hat so ein Vermögen.
    Wie "martinsgarten" es beschreibt: Der Ritt des Papiergeldes in die Hölle.

    Leute, welche schon x-Millionen haben, werden ohne weiter etwas zu tun immer reicher. Nur 5.000.000€ mit 3% (bei richtiger Mischung NULL PRObLEM) angelegt ergibt 150.000€. Selbst wenn wir hier 25% (was ein Witz ist und trotzdem die wenigsten Millionäre machen, da das Geld nicht in Deutschland liegt) abziehen kommen immer noch 112.500€ heraus. im gleichen Jahr können sich die Leute dann wieder 1.000.000€ als Gehalt usw. usw....

    150.000€ - das verdienen sehr sehr sehr sehr viele Leute nicht. Die verdienen max. ein Drittel davon. Und das teilweise unter übelsten Umständen.

    ich will hier nicht alle über den gleichen Kamm ziehen, aber der größte Teil der Millionäre ist leider so.
    ...und zahl teils weniger Steuern als der kleine Mann mit 50000€ im Jahr

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