Anlagestrategie
Wie Anleger am Fusionspoker mitverdienen

Der Ölmulti Shell schnappt sich die BG Group, Monsanto angeblich Syngenta – Firmenübernahmen bestimmen die Schlagzeilen. Anlegern bietet das gute Anlagemöglichkeiten. Doch der Handel mit Übernahmekandidaten ist riskant.
  • 0

DüsseldorfKursanstiege von mehr als 30 Prozent an einem Tag? Was unglaublich klingt ist derzeit keine Seltenheit. Möglich macht das unter anderem die Geldpolitik der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank. Ihre Anleihekaufprogramme und die niedrigen Zinsen haben nicht nur den Dax und den Dow Jones auf neue Rekordstände gehievt. Die Maßnahmen machen auch die Finanzierung von Firmenkäufen günstiger – und Konzerne gehen derzeit in Scharen auf Einkaufstour.

Anfang April setzte Shell mit der Übernahme des Gasproduzenten BG für satte 64 Milliarden Euro den Startschuss für die Übernahmewelle. In der vergangenen Woche brachten sich der Internetpionier AOL und der Telekommunikationskonzern Verizon mit Fusionsplänen ins Gespräch. Eine mögliche Übernahme Syngentas durch den Agrarriesen Monsanto sorgte ebenfalls für Aufsehen. Der US-Ölkonzern Rosetta Resources steht auf dem Einkaufszettel von Noble Energy. Hierzulande wird unter anderem über eine Übernahme des Generika-Herstellers Stada spekuliert.

Alle Käufer und Übernahmekandidaten haben eines gemeinsam. Ihre Aktien steigen – und zwar deutlich. Das bietet Renditechance für Anleger, die auf diese Werte setzen. Der britische Gasproduzent BG stieg nach Bekanntwerden der Übernahme durch Shell an der Londoner Börse um knapp 40 Prozent. AOL-Aktien drehten am Dienstag 17 Prozent ins Plus. Syngenta schossen am vergangenen Freitag satte 14 Prozent in die Höhe. Die Aktien von Rosetta Resources notierten 30 Prozent fester. Und Stada, um das sich seit Monaten Übernahmespekulationen ranken, kletterten seit Jahresanfang über 30 Prozent nach oben.

Laut einer Studie von Intralinks dürfte das Volumen der Mergers & Acquisiton-Deals (M&A-Deals) im laufenden Jahr noch weiter steigen. „2014 war ein Jahr der Erholung in den globalen M&A-Märkten und 2015 ist sehr stark gestartet“, sagte Philip Whitchelo, Vizepräsident Strategie und Produktmarketing bei Intralinks. Insbesondere in den USA und der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) sehe es nach einer robusten Aktivität aus.

„Die Tatsache, dass das M&A-Volumen steigt, liegt an den günstigen Finanzierungsmöglichkeiten für Übernahmen“, erklärt Marcel van Leeuwen von der Deutschen Wertpapiertreuhand. „Auf der einen Seite helfen die derzeit sehr niedrigen Zinsen. Auf der anderen Seite sitzen die Unternehmen auf sehr hohen Cash-Bergen.“ Außerdem führe das mäßige Wirtschaftswachstum dazu, dass die Chancen organisch zu wachsen für viele Unternehmen beschränkt seien. Daher erhöhe sich die Neigung dieser Unternehmen kurzfristig mithilfe von Fusionen zu wachsen.

Doch welche Unternehmen planen Fusionen? Und wann soll man einsteigen? Der richtige Zeitpunkt spielt jedenfalls keine entscheidende Rolle. Selbst nach Aufkommen von Übernahmegerüchten kann sich ein Einstieg lohnen. Oftmals sind die Spekulationen der Start eines mittelfristig positiven Trends. Ein Beispiel ist Stada.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Wie Anleger am Fusionspoker mitverdienen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%