Anlagestrategie
Zocken mit Bundesanleihen

Ben Bernankes Drohungen, die Niedrigzinspolitik der Fed zu beenden, ließ die Renditen von US-Rentenpapieren steigen. Die EZB wird dem diesem Beispiel vorerst nicht folgen. Was das für die Anleger bedeutet.
  • 1

FrankfurtDie Krise ist zurück. Und sie hat viele Gesichter. Ein Gesicht hat asiatische Züge: „Seitdem die japanische Notenbank mit ihrer expansiven Geldpolitik dafür sorgt, dass der Yen an Wert verliert und gleichzeitig die Exportindustrie des Landes stärkt, haben viele Schwellenländer im pazifischen Raum plötzlich ein Problem“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Die Folge: Die Aktienkurse in diesen Ländern brachen zuletzt auf breiter Front ein, weil Investoren ihr Geld abzogen. 20 bis 30 Prozent an Kursverlusten waren innerhalb der vergangenen vier Wochen keine Seltenheit.

Über einem weiteren Gesicht der Krise thront ein Cowboyhut: Allein die Ankündigung des US-amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke, zukünftig sei von einer Zinserhöhung in den USA auszugehen, sorgte dafür, dass die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen von ihrem Jahrestief von 1,63 Prozent innerhalb von gerade einmal vier Wochen auf bis zu 2,22 Prozent nach oben geschnellt sind. Aus Angst vor steigenden Zinsen zogen Investoren hier ebenfalls massiv Gelder ab.

Auch in Europa strahlen die Gesichter keine Zuversicht aus. Angesichts der Lage hat sich EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag sich mit ungewohnter Klarheit auf einen lang anhaltenden Kurs festgelegt. Er gehe davon aus, „dass der Schlüsselzins in der Euro-Zone noch für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen oder auch einem niedrigeren Niveau bleibt“. Denn in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland sind die Schuldenprobleme keinesfalls gelöst – im Gegenteil. Selbst Frankreich gilt mittlerweile als Wackelkandidat. Die Renditen für südeuropäische Staatsanleihen zogen in den vergangenen Wochen wieder kräftig an. Insgesamt gelten europäische Staatsanleihen derzeit nicht gerade als sicherer Hafen für Geldanleger.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: bundesdeutsche Papiere. „Insbesondere institutionelle Investoren wie beispielsweise Rentenkassen, die ihr Kapital risikoreduziert anlegen müssen, flüchten gezwungenermaßen auf die letzten Bäume, die noch nicht brennen. Und das sind nun einmal deutsche Eichen, sprich bundesdeutsche Staatsanleihen“, sagt Halver.

Die Preise für Bundesanleihen hatten zwar in den vergangenen Wochen etwas nachgegeben. Der Kurs des entsprechenden Marktbarometers, des Euro Bund-Future, fiel von rund 147 auf aktuell 142 Punkte. Doch auch ein Wert von 142 Punkten ist im historischen Rückblick immer noch rekordverdächtig hoch, und von einem weiteren Kursverfall gehen Experten derzeit nicht aus. „Die Manager großer Vermögen scheuen derzeit jegliche Art von Risiken, müssen aber ihr Geld irgendwo anlegen. Das dürfte dafür sorgen, dass mindestens bis zur Bundestagswahl deutsche Staatspapiere beliebt bleiben“, sagt Robert Halver.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Zocken mit Bundesanleihen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie schon mehrfach gesagt, Great Rotation wird es so schnurstracks nicht geben.

    Es ist immer ein Abwägen und nie eine Einbahnstrasse.

    Kann sich das das HB zumindest bis zum nächsten Leitartikel merken? Wäre klasse, dann wäre wieder Linie in den Artikeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%