Anlegerklagen
Lehman-Zertifikate: Die Prozesswelle rollt

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers hat in Deutschland bis zu 50 000 Anleger getroffen. Über Nacht wurden ihre Zertifikate nahezu wertlos. Die Wut der Kunden richtet sich gegen die Banken. Vor Gericht wollen sie den Instituten Beratungsfehler beweisen. Doch die Lage ist höchst undurchsichtig. Nicht für jeden Anleger ist eine Klage der richtige Weg.

DÜSSELDORF. Mehr als ein halbes Jahr nach der Pleite von Lehman Brothers kommt in Deutschland die Klagewelle ins Rollen. An den Landgerichten, die für alle Fälle ab einem Streitwert über 5 000 Euro zuständig sind, häufen sich die Verfahren. Anlegervertreter rechnen damit, dass in den kommenden Monaten eine vierstellige Zahl von Anlegern gegen ihre Banken klagen werden, weil sie ihnen in den vergangenen Jahren Lehman-Zertifikate verkauft haben.

Ein Urteil zugunsten eines Lehman-Anlegers hat es in dieser Woche bereits gegeben. Das Frankfurter Landgericht gab einem Kunden der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) Recht, der bei deren Online-Tochter 1822 direkt ausdrücklich nach einer kurzfristigen Anlage verlangt hatte. Der Bankberater verkaufte dem Mann jedoch Zertifikate mit einer maximalen Laufzeit von vier Jahren. Für das Gericht ein klarer Beratungsfehler: Es verurteilte die Fraspa zur Rückzahlung von 50 000 Euro zuzüglich Zinsen und Anwaltskosten.

Erste Urteile geben keine Richtung vor

Ein Fingerzeig für die anstehende Prozessflut ist das Urteil aufgrund des spezifischen Beraterfehlers jedoch nicht. Der Frankfurter Richter sprach vielmehr von einem "absoluten Einzelfall". Für die Masse der Lehman-Anleger, von denen viele noch unsicher sind, ob sie vor Gericht ziehen sollen, bleibt die juristische Ausgangsposition vage: "Keine Seite kann bisher für sich in Anspruch nehmen, auch nur annähernd die Deutungshoheit in dem Fall zu haben", sagt Klaus Nieding, Rechtsanwalt aus Frankfurt, der nach eigenen Angaben rund 900 Lehman-Mandate gesammelt hat.

Insgesamt sollen in Deutschland zwischen 20 000 und 50 000 Privatanleger von der Lehman-Pleite betroffen sein. Über ihre Hausbanken - gelangten sie an die Zertifikate. Die Institute - in vorderster Reihe stehen die Hamburger und die Frankfurter Sparkasse sowie die Dresdner Bank und die Citibank - versprachen neben einer attraktiven Rendite eine vollständige Kapitalgarantie. Viele Anleger - insbesondere ältere Kunden - haben daraufhin hohe Summen in die Papiere investiert. Zum Teil flossen die gesamten Ersparnisse in Zertifikate.

Was die meisten Anleger erst nach der Lehman-Pleite erkannten, ist, dass eine Kapitalgarantie bei Zertifikaten stets lückenhaft ist. Im Gegensatz zu anderen Produkten wie Festgeldanlagen unterliegen die auf Optionen aufbauenden Papiere nicht der deutschen Einlagensicherung. Da es sich bei Zertifikaten um Inhaberschuldverschreibungen handelt, tragen Anleger wie bei Anleihen ein Emittentenrisiko: Geht die Bank vor der Rückzahlung des Zertifikats pleite, drohen hohe Einbußen bis hin zum Totalverlust.

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