Geldanlage
Die nächste Ölpreis-Rally kommt bestimmt

Öl kostet so viel wie seit zwei Jahren nicht mehr. Und die Preise könnten weiter steigen. Wer auf den Ölpreis setzen will, sollte sich überlegen, wie: Im jetzigen Umfeld können Zertifikate auf Öl- und Gas-Aktien mehr Chancen bieten als Zertifikate auf Öl-Futures.
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Es ist gar nicht so lange her, dass ein Ölpreis von 15 bis 20 US-Dollar pro Fass als normal galt. Finanzanalysten, Politiker und Medien gerieten in Aufregung, sobald der Ölpreis auf über 30 US-Dollar gestiegen war, zum Beispiel 1990 oder auch Anfang dieses Jahrtausends. Vor fünf Jahren wurde die 30-Dollar-Grenze zum letzten Mal nach oben durchbrochen. Einen Aufschrei gab es noch, als die 140-Dollar-Marke gerissen wurde. Seitdem hat man sich daran gewöhnt, dass der Öl-Preis zwischen 40 und 140 US-Dollar schwankt.

Ende vergangener Woche kostet ein Barrel Öl nach einem Rückschlag etwa 82 US-Dollar, Tendenz mittelfristig wieder steigend. An einem deutlich gesunkenen Angebot liegt dies offensichtlich nicht. „Die US-Rohöllagerbestände liegen zuletzt nur noch knapp unter dem Rekordniveau von Mai 2009. Die Marktversorgung ist derzeit kein Problem“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Experte bei der Commerzbank. Mittelfristig aber steigt die Nachfrage.

Die OPEC hat ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage bis 2014 in der vergangenen Woche um 800 000 Barrel pro Tag nach oben revidiert und rechnet bis 2030 mit einem durchschnittlichen Nachfrageanstieg von einer Million Barrel pro Tag. Doch den jüngsten Auftrieb verdankt der Ölpreis nicht der OPEC-Prognose, sondern eher der US-Notenbank und ihrer Politik des leichten Geldes. Je weniger Vertrauen internationale Anleger in den Dollar haben, desto mehr verliert die Weltleitwährung an Wert. Das hat eine direkte Auswirkung auf den Ölpreis. „Denn ein schwacher US-Dollar bedeutet oft einen steigenden Ölpreis – und umgekehrt“, sagt Eugen Weinberg. Jüngstes Beispiel: Während im Juni ein Euro noch 1,20 US-Dollar kostete, sind es nun 1,40 Dollar. Im selben Zeitraum stieg der Ölpreis um 23 Prozent, der Preisanstieg erfolgte also nahezu parallel zur Wechselkursentwicklung zwischen US-Dollar und Euro.

Futurewechsel kostet Geld

Anleger, die davon überzeugt sind, dass der Ölpreis weiter anzieht, könnten deshalb in Versuchung geraten, gegen den US-Dollar zu wetten anstatt in Öl-Futures zu investieren. Doch das hat, abgesehen von den grundsätzlichen Risiken einer Währungsspekulation, einen großen Nachteil: Sowohl bei Rohstoff-Investments als auch bei Devisengeschäften haben Anleger mit den Widrigkeiten der Terminbörsen zu kämpfen. Und diese haben es in sich. Insbesondere mit Öl-Zertifikaten haben private Investoren in der Vergangenheit immer wieder schlechte Erfahrungen sammeln müssen. Der Grund: Die Zertifikate, mit denen Anleger auf Preisbewegungen beim Öl setzen können, haben als Basiswert nicht den aktuellen Tagespreis, den Händler für ein Fass Öl in Rotterdam zahlen, sondern entweder einen einzelnen Öl-Future oder einen Korb aus verschiedenen Öl-Futures. Wer in Öl-Indexzertifikate investiert, kauft also keine Fässer, sondern Future-Kontrakte mit Laufzeiten.

Bei Indexzertifikaten ohne Laufzeitbegrenzung müssen diese Kontrakte immer wieder gegen neue Kontrakte mit längerer Laufzeit getauscht werden. Meistens geschieht dies monatlich, bei einigen Zertifikaten auch vierteljährlich – im Fachjargon heißt es: Die Kontrakte werden „gerollt“. So wird beispielsweise Ende November, also in etwa zwei Wochen, bei den meisten Zertifikaten der Dezember-Öl-Kontrakt gegen den Januar-Öl-Kontrakt eingetauscht werden. Und genau hier lauert ein Problem: „Da die Marktteilnehmer von mittelfristig steigenden Ölpreisen ausgehen, sind die Folgekontrakte derzeit grundsätzlich teurer als der jeweils aktuelle“, sagt Heiko Geiger von Vontobel. „Ein Brent-Öl-Future mit Laufzeit bis Dezember 2010 kostet momentan etwas mehr als 88 Dollar. Der Januar-Kontrakt kostet aber schon 90 Dollar“, so Geiger.

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Kommentare zu " Geldanlage: Die nächste Ölpreis-Rally kommt bestimmt"

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  • Der Artikel gibt sehr schön wieder, daß es für den "Normal-Anleger" gar nicht möglich ist am steigenden Ölpreis zu partizipieren. Die index-Zertifikate sind wegen des "Rolleffektes" unbrauchbar. Der steigende Ölpreis wird auch nur ungenügend in den Aktienkusen der Ölunternehmen wiedergegeben. Einzelaktien sind riskant (siehe bP) oder unterdurchschnittlich. bei "Regionen-baskets" mag es korrelative Zusammenhänge geben, aber eine Kausalität besteht eher nicht.
    Fazit: Der Ölpreis steigt und steigt. Der Anleger guckt dumm aus der Wäsche. Partizipieren kann er nicht, da die Zertifikate eher fragwürdige Konstruktionen sind. Schade!
    Dann doch lieber Edelmetalle in physicher Form. aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte ...

  • Unverständlich bleibt, daß nicht eine einzige Stimme bei Justiz, Staat oder aus den Medien in der Lage ist zu sagen, was dort an Riesenbetrug abläuft

    ... weil die Politker nur noch die Hampelmänner der mächtigen Wirtschaftsbosse sind. Ein Ackermann geht doch überall ein und aus, und scheinbar diktiert er schon die Gesetze.
    Wenn man wollte, würde man das Universalbanking vom investmentbanking trennen und im Fall der Fälle das investmentbanking sterben lassen.
    im Moment kann der investmentbanker Omas Sparbuch zum Zocken nutzen und hebelt das Ganze noch 50-fach.
    Und wer hat in D dereguliert.
    Rot-Grün unter Schröder.
    Gerade die Grünen blasen jetzt wieder die backen auf.

  • @ k.h.a.:
    meine vollste Zustimmung zu diesem Kommentar.

    Eine einfache Art anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

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