Gute Aussichten für Clearing-Plattformen
Derivatebörsen beweisen Stärke

Derivate stehen weltweit als mögliche Auslöser der Krise in der Kritik. Teile des linken politischen Spektrums fordern deshalb ein Verbot dieser synthetischen Finanzinstrumente und zudem eine Schließung der Derivatebörsen. Inzwischen haben Finanzpolitiker die Vorteile geordneter Börsenstrukturen im Derivategeschäft erkannt.

BOCA RATON. „Es ist erst kurze Zeit her, als aus dem linken politischen Lager die Schließung unserer Börse gefordert wurde“, sagt Hans-Bernd Menzel, Vorstandschef der European Energy Exchange in Leipzig.

Bei den Aufsichtsbehörden habe man jedoch begriffen, dass Derivat nicht gleich Derivat ist. Durch besondere Sicherheitsmechanismen würden vor allem börsengelistete und regulierte Produkte wie Optionen und Futures zur Stabilisierung des globalen Finanzsystems beitragen, hieß es auf der von der Futures Industry Associaton organisierten weltgrößten Derivatekonferenz. Auch bei einer weiteren Zuspitzung der Krise werde daher keine Schließung dieser Börsen erwartet.

Fachleute erinnerten zuletzt daran, dass Behörden im Zuge der großen Depression in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Optionsgeschäfte verbannt hatten. „Damals exisitierten allerdings auch noch keine Optionsbörsen“, sagt Gary Katz, Vorstandschef der International Securities Exchange im Handelsblatt-Gespräch.

„Die Finanzpolitiker haben die Vorteile geordneter Börsenstrukturen im Derivategeschäft erkannt“, sagt Andreas Preuss, Vorstandschef der weltweit zweitgrößten Terminbörse Eurex. Einen klaren Beweis hierfür sieht er darin, dass Aufsichtsbehörden darauf drängen, die Abwicklung und Abrechnung von im Freiverkehr bilateral zwischen Banken abgeschlossenen Kreditderivaten auf Clearing-Plattformen der Banken zu heben. „Das spricht eindeutig für die Terminbörsen“, sagt Preuss gegenüber dieser Zeitung. Und in der Tat suchen in der Finanzkrise immer mehr institutionelle Anleger Zuflucht an regulierten und kontrollierten Börsen. Banken, die ihr eigenes Geschäft mit komplizierten derivativen Finanzstrukturen weitgehend bilateral untereinander im wenig regulierten Freiverkehr „Over the Counter“ (OTC) abgewickelt und diese Produkte dann in den Depots von Kapitalanlegern platziert haben, denken um.

„Börsen haben sich in der Krise als Anker der Stabilität und Integrität bewährt“, sagt Reto Francioni, Vorstandschef der Deutsche Börse. „Terminbörsen sind einer der am besten funktionierenden Teile der Finanzmarkt-Infrastruktur in den USA“, ergänzt Terry Duffy, Chairman des Terminbörsen-Weltmarktführers CME Group. Die Akzeptanz dieser Börsen wird durch Kontraktzahlen bestätigt. Ein 13,7-prozentiges Plus der Branche im Jahr 2008 wird als Beweis dafür gewertet, dass sich die Finanzmarktakteure unter dem Dach regulierter Börsen wohler fühlen.

„Unsere Märkte funktionieren auch bei rund um uns herum herrschenden chaotischen Zuständen“, sagt CME-Chef Duffy. Allerdings ist nicht zu verkennen, dass das Wachstum der Terminbörsen leicht nachgelassen hat; denn in den vergangenen Jahren hatten die Wachstumsraten noch zwischen 20 und 30 Prozent im Jahr gelegen.

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