Investmentidee
Aktienanleihen vor der Wiederkehr

Zu Zeiten des Neuen Marktes hatten sich Anleger auf die hohen Zinszahlungen von Aktienanleihen verlassen - und viel Geld verloren. Nun gibt es mehrere Gründe für ein Comeback dieser Produkte. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

DÜSSELDORF. Vor rund sechs Jahren versuchten vermeintlich konservative Anleger über Aktienanleihen in riskante Neue-Markt-Werte zu investieren. Dabei ließen sie sich nur vom hohen Zinssatz blenden. So versprach beispielsweise eine Aktienanleihe auf EM.TV eine Zinszahlung in Höhe von 17 Prozent. Doch im Austausch für diese hohe Rendite trägt der Anleihenkäufer das Risiko fallender Aktienkurse.

Denn die Rückzahlung hängt von der Kursentwicklung des Basiswertes ab. Liegt der Kurs der Aktie über einem bei Emission vereinbarten Kurs (Basispreis) erhält der Anleger den Nominalbetrag zurück. Andernfalls bekommt er anstelle der Aktienanleihe eine feste Anzahl von Aktien ins Depot gebucht - und erzielt eventuell ein hohes Minus.

Beim Beispiel von EM.TV lag dieser Basispreis bei 48,08 Euro - die Aktie notierte aber zwischenzeitlich bei 4,75 Euro. Aus den eingezahlten 5 000 Euro wurden 494 Euro, weil der Emittent sich mit der Lieferung von 104 Aktien hätte freikaufen können.

Solche Fälle mit extrem hohen Zinsen auf volatile Basiswerte haben unter anderem für einen Absturz der Aktienanleihen in der Gunst der Anleger geführt. Diese Produktgruppe hat laut Statistik des Derivate-Forums einen Anteil von einem Prozent bei den Anlagezertifikaten. Doch nun gibt es zwei Gründe dafür, dass Aktienanleihen wieder ein Comeback erleben dürften.

Zum einen hängt die Höhe des Zinskupons der Aktienanleihe von der Schwankungsbreite des Aktienmarktes ab. Je höher diese Volatilität ist, desto höher fällt auch der Zins aus. In den letzten Jahren war die Schwankungsbreite eher niedrig, so dass die Kupons unattraktiv waren. Erst im Zuge der US-Hypothekenkrise stieg die Volatilität der Aktien. Neue Aktienanleihen verfügen jetzt, je nach Ausgestaltung, wieder über zweistellige Zinssätze.

Zum anderen könnte die ab 1. Januar 2009 gültige Abgeltungssteuer den Erfolg beschleunigen. Denn derzeit sind Aktienanleihen im Vergleich zu anderen Zertifikaten steuerlich benachteiligt, da sowohl der hohe Zinsertrag als auch mögliche Kursgewinne unabhängig von der Laufzeit versteuert werden müssen. Das wird sich mit der Abgeltungssteuer nicht ändern. Allerdings ist der Steuersatz auf 25 Prozent beschränkt. Für Anleger mit einem höheren Steuersatz ein klarer Vorteil. Voraussetzung: Die Aktienanleihe wird erst im Jahr 2009 verkauft oder fällig.

Die Auswahl entsprechender Produkte auf konservativere Basiswerte mit längerer Laufzeit ist bereits hoch - beispielweise bei » Sal. Oppenheim. Und » Goldman Sachs hat Aktienanleihen mit Laufzeitende Dezember 2008 auf dem Markt gebracht, doch die Zinszahlung erfolgt erst im Januar 2009.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
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