Japanische Aktien
Heiße Wette

Japans Premierminister scheint eine Geheimwaffe gefunden zu haben: die Druckerpresse. Kurzfristig hat er damit Erfolg. Optimisten setzen wieder auf japanische Aktien. Doch das Risiko für Anleger ist groß.
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Als am Donnerstag in Tokio die Börsenkurse fielen und der Nikkei 225 Index innerhalb kurzer Zeit mehr als 1.000 Punkte verlor, war das für Börsianer eine Art Déjà-vu-Erlebnis. Japanische Aktien: Das ist für viele Investoren eine mittlerweile mehr als 20 Jahre währende Leidensgeschichte. Seit dem Jahreswechsel 1989/1990, dem Zeitpunkt des Zusammenbruchs der japanischen Börsenblase aus den 80er Jahren, hoffen Aktionäre auf das große Comeback japanischer Aktien. Sie wurden immer wieder enttäuscht.

Den vorläufigen Tiefpunkt markierte der 10. März 2009. An diesem Tag schloss der Nikkei bei 7.055 Punkten. Das sind rund 32.000 Punkte weniger als der Index im Dezember 1989 zählte. Zum Vergleich: In diesen rund 20 Jahren hatten Dax und Dow Jones Index ihren Wert jeweils mehr als verdoppelt. Der Euro Stoxx 50 hatte seinen Wert in dieser Zeit sogar verdreifacht – trotz Finanzkrise. Auch in den Folgejahren nach 2009, in denen die Aktienkurse weltweit in die Höhe schossen, blieben japanische Wertpapiere im Vergleich deutlich hinter anderen Märkten zurück. Während die Kurse von Dax und Dow seit dem März 2009 bis zum November 2012 rund 70 Prozent zugelegt haben, verzeichnete der japanische Nikkei Index nur ein Renditeplus von etwa 33 Prozent – immer wieder begleitet von mehr oder weniger heftigen Kurseinbrüchen.

Doch seit Mitte November 2012 hatten die Kurse an der Börse in Tokio heftigen Rückenwind: Bis zur jüngsten Kurskorrektur im Mai legte der Nikkei 225 Index mehr als 75 Prozent an Wert zu. Zum Vergleich: Dow und Dax wiesen für denselben Zeitraum nur ein Plus von 23, beziehungsweise 32 Prozent aus.

Dass die aktuelle Trendwende ausgerechnet Mitte November erfolgt war, ist kein Zufall. Denn der  Rückenwind für den japanischen Aktienmarkt hat vor allem einen politischen Hintergrund: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Dezember des vergangenen Jahres erlitt die bis zum November 2012 regierende Demokratische Partei (DPJ) eine klare Niederlage. Und die Liberaldemokraten (LDP) des rechtskonservativen Ex-Premiers Shinzo Abe haben als eine der ersten Amtshandlungen per Gesetz die Unabhängigkeit der Notenbank beschränkt. Sie verfolgen nun konsequent das Ziel, den japanischen Yen drastisch abzuwerten und massive Ausgabensteigerungen im Infrastrukturbereich vorzunehmen – finanziert durch die Ausgabe neuer Staatsanleihen an die Bank of Japan.

„Unter dem Strich ist das ein gigantisches Konjunkturbelebungs- und Exportförderungsprogramm mit Hilfe der Gelddruckmaschine“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Kritiker verurteilen diesen Eingriff der Politik in den Markt. Doch die Aktienmärkte reagierten zunächst positiv auf den Machtwechsel in Tokio – und damit auch auf die Ideen Shinzo Abes. Der Nikkei 225 Index stieg seit der Auflösung des Parlaments im November von 8.666 auf aktuell rund 14.285 Punkte.

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  • Unsinn, jahrelang lagen die Realzinsen in Japan, den USA und Europa über dem Wirtschaftswachtum mit der inzwischen bekannten Folge der Destabilisierung des Finanzsystems.

    Wir erleben lediglich eine Umkehr, den Kater nach der Party. Weitersaufen geht nicht mehr, negative Realzinsen sind angesagt.

    Da die USA, Europa und Japan im Gleichschritt "Geld drucken" haben sie die Marktmacht negative Realzinsen durchzusetzen.

    Und da dadurch letztlich auch die Unternehmen entschuldet werden, ist dies ein glaskarer Kurstreiber.

    Es könnte sogar sein das wir in ein paar Jahren die Aktienrendite auf dem Niveau der Anleiherendite sehen, falls Anleger panisch versuchen so der Inflation zu entfliehen.

    1923 stieg der Aktienindex doppelt so schnell wie die Lebenshaltungskosten obwohl die Wirtschaft einen Zusammenbruch erlitt.

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