Kursschwankungen
Credit Suisse bietet umstrittenes Derivat an

Können börsengehandelte Produkte wie ETFs die Volatilität erhöhen? Die Credit Suisse meint nein, zumindest in Bezug auf ein umstrittenes Derivat. Nach einmonatiger Pause bietet sie es nun wieder an.
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FrankfurtDie Credit Suisse lässt nach einmonatiger Pause wieder Investitionen in ein umstrittenes verbrieftes Derivat in den USA zu. Ab sofort gibt die Bank wieder Anteilsscheine ihres VelocityShares Daily 2x Long VIX Short-Term aus, teilte sie am Donnerstagabend in den USA mit.
Bei dem Derivat handelt es sich um eine Exchange Traded Note (ETN), die mit der Nervosität am US-Aktienmarkt steigt und fällt. Die Credit Suisse hatte seit dem 21. Februar keine Anteile an der ETN mehr ausgegeben. Dem waren Vorwürfe vorausgegangen, dass das Derivat seinen Zweck verfehlt habe: Es habe die Entwicklung des Volatilitätsindex VIX, der die Kursschwankungen des US-Leitindex S&P 500 misst, beeinflusst, anstatt sie abzubilden.

Mitte Februar hatte der VIX von rund 17 auf 21 Punkte zugelegt. Das war ungewöhnlich, weil der S&P 500 in dieser Zeit kaum bewegt hat. Normalerweise klettert der VIX dann, wenn der S&P fällt. Experten waren bei der Suche nach Ursachen für den ungewöhnlichen VIX-Anstieg auf die Exchange Traded Note der Credit Suisse gestoßen: In der Zeit, als der VIX angestiegen war, hatten die Investitionen in diese ETN stark zugelegt.
Die VelocityShares Daily 2x Long VIX Short-Term basiert auf Futures-Terminkontrakten auf den VIX. Je mehr Geld in das Produkt investiert ist, umso stärker muss sich die Credit Suisse als Anbieterin gegen die Entwicklung des Volatilitätsindex absichern - zum Beispiel über VIX-Futures. Das könnte dazu geführt haben, dass der Index angestiegen ist. „Es ist ein bisschen so wie mit der Frage, ob der Hund mit dem Schwanz oder der Schwanz mit dem Hund wedelt“, beschrieb Stratege Phil Rapaport von Macro Risk Advisors das Problem.
Derartige Verwerfungen durch Finanzprodukte sind schon in anderen Anlageklassen aufgetreten. Der US Natural Gas Fund stoppte 2009 die Herausgabe neuer Scheine eines börsennotierten Indexfonds (ETF), da die Befürchtung aufgekommen war, der Indexfonds könne den Preis von Erdgas beeinflussen. Am Goldmarkt werfen Kritiker ETF-Anbietern schon länger vor, mit ihren Gold-Produkten das physische Angebot des Edelmetalls zu verknappen.
Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) untersucht derzeit börsengehandelte Produkte (ETPs), zu denen neben ETNs auch ETFs und ETCs gehören. Neben Aspekten der Transparenz und Liquidität steht dabei auch die Frage im Raum, ob ETFs und ETNs die Volatilität am Markt erhöhen können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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