Lehman-Insolvenz
Zertifikateanlegern drohen Verluste

Jetzt ist der Gau für die Zertifikate-Branche eingetreten. Mit Lehman Brothers hat der erste Emittent Konkurs angemeldet, die Zertifikate werden nicht mehr gehandelt. Im Gegensatz zur US-Bank Bear Stearns, deren Produkte im März ebenfalls längere Zeit vom Handel ausgesetzt waren, ist ein Happy-End diesmal eher unwahrscheinlich.

DÜSSELDORF. Die Finanzkrise in den USA hat sich am Montag erheblich zugespitzt und die Wall Street auf einen Schlag umgekrempelt. Die Rettung der schwer angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers scheiterte trotz eines dramatischen Verhandlungsmarathons. Sie meldete am Montagmorgen Insolvenz an.

Neben den Aktionären und Anleihenbesitzern von Lehman Brothers sind in Deutschland aber vor allem die Inhaber von Zertifikaten der US-Investmentbank direkt von der Insolvenz betroffen.

Denn Zertifikate sind rechtlich Inhaberschuldverschreibungen. Geht der Emittent pleite, droht der Totalverlust. Auch so genannte Garantiezertifikate, die auch Einzug in die Depots risikoscheuer Investoren gefunden haben, weisen nur den Status einer Anleihe auf. Deren Rückzahlung ist angesichts der Insolvenz höchst gefährdet.

Momentan hat Lehman Brothers mehr als 170 verschiedene Zertifikate im Angebot, deren Volumen nach Schätzungen im hohen zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte. Der Handel mit diesen Papieren wurde am heutigen Montag schon zum Handelsbeginn eingestellt. Auf Anfrage des Handelsblatts wollte Lehman Brothers die aktuelle Situation nicht kommentieren.

"Das Risiko eines Zahlungsausfalls ist hoch", sagte Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Im Fall Lehman können Anleger nur warten, ob die Bank vor der Fälligkeit des jeweiligen Zertifikates wieder aus der Insolvenz herausfindet. Denn als Gläubiger steht man hintenan", so DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

Für zusätzliche Unruhe an den internationalen Finanzmärkten sorgte heute auch, dass die drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch überraschend von der Bank of America gekauft wurde. Die Besitzer von Merrill-Lynch-Zertifikaten können aber nach dem geglückten Übernahmecoups durchatmen. Sämtliche Papiere der Investmentbank werden wie bisher weitergehandelt.

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