MDax
Gewinne aus der zweiten Reihe

Wenn es um deutsche Aktien geht, konzentrieren sich deutsche Anleger auf den Dax. Dabei haben sich die Titel aus der zweiten Reihe in den vergangenen Jahren besser entwickelt als die Stars aus der ersten Liga.
  • 0

DüsseldorfAnfang dieser Woche touchierte der Dax die Marke von 10.000 Punkten. Das war eine Meldung wert. Fast alle Medien berichteten darüber. Als der MDax ein paar Tage zuvor die Marke von 17.000 Punkten nach oben durchbrochen hatte, blieb dies der Öffentlichkeit weitgehend verborgen.

Dabei ist die Historie des deutschen Mittelstandsindex eine Erfolgsgeschichte, die die Wertentwicklung des Dax weit in den Schatten stellt. Dazu lohnt ein Blick auf die Performance des MDax: In den vergangenen zehn Jahren hat ist der Wert der Aktien in dem Index um rund 320 Prozent gestiegen. In derselben Zeit legte der Dax 237 Prozent an Wert zu. Das ist – absolut betrachtet – zwar beachtlich, aber im Vergleich zum deutschen Mittelstandsindex geradezu schwach. Auf 15 Jahre betrachtet, fällt die Bilanz sogar noch deutlicher aus: Während der DAX in dieser Zeit seinen Wert um 170 Prozent steigern konnte, ist der Kurs des MDAX um rund 420 Prozent gestiegen.

Aktuell bewegt sich der MDax mit etwa 17.100 Punkten auf Rekordniveau. Doch der Gipfel sei noch lange nicht erreicht, meint Portfoliomanager Lothar Koch von GSAM und Spee Asset Management. „Schaut man sich den historischen Kursverlauf des MDax an, sind aus charttechnischer Sicht durch aus noch 2.000 Punkte Luft nach oben“, so Koch. Mit großer Wahrscheinlichkeit werde sich der MDax in den kommenden Monaten auch weiterhin besser entwickeln als der Dax. Rückschläge sind natürlich nicht ausgeschlossen.

Doch dass sich die zweite Indexliga selbst in mauen Börsenphasen nicht vor den Champions verstecken muss, zeigt ein Blick in die Historie: Als Anfang des Jahrhunderts die sogenannte New Economy zusammenbrach und die Börsenkurse weltweit abstürzten, tangierte das die deutschen Mittelständler weniger als die internationalen Konzerne. Der MDax bewies mehr Stehvermögen als der Dax. Ab dem Jahr 2003 profitierten die MDax-Mitglieder dann überproportional vom Aufschwung der Weltkonjunktur und der damit verbundenen Aktienhausse.

Doch nicht nur die Performance, sondern auch die Zusammensetzung des MDax überzeugt im Vergleich zum Dax: „Im MDax ist ein ausgewogenes Gemisch wachstumsstarker Unternehmen versammelt, die zum Teil in Nischenmärkten weltweit eine marktführende Stellung haben und hohe Gewinnmargen erzielen“, so Koch. Beispiele dafür seien der Schmierstoffhersteller Fuchs Petrolub oder auch Krones, der Weltmarktführer in der Produktion von Abfall- und Verpackungsmaschinen. Zum MDax zählen aber auch Schwergewichte wie Airbus, MAN, Evonik oder die Metro AG.

Umso erstaunlicher ist es, dass MDax-Werte im Bewusstsein und damit auch im Portfolio vieler privater Investoren kaum eine Rolle spielen: Täglich wechseln Dax-Aktien in einem Wert von insgesamt bis zu vier Milliarden Euro die Besitzer. Der MDax führt da geradezu ein Schattendasein. Zur Verdeutlichung: Allein die Dax-Aktien von Bayer und BASF kommen zusammen auf einen durchschnittlichen Tagesumsatz von rund 380 Millionen Euro täglich. Das ist fast so viel wie der gesamte Tagesumsatz aller MDax-Aktien.

Kommentare zu " MDax: Gewinne aus der zweiten Reihe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%