Nachgefragt: Matthias Hüppe
"Discounter senken das Risiko"

Matthias Hüppe ist Derivateexperte bei HSBC Trinkhaus & Burkhardt in Düsseldorf. Im Interview erklärt er, wo er die Chancen bei Discountzertifikaten sieht.
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Handelsblatt: Das Discountzertifikat wird im August zehn Jahre alt. Mit dem ersten Papier, das ihr Haus auf den Markt brachte, konnten Anleger 13,69 Prozent verdienen. Sind solche Renditen mit Discountern auch derzeit möglich?

Matthias Hüppe: Tatsächlich sind diese Renditen auch heutzutage möglich. Entscheidend dabei ist das Verhältnis zwischen dem Discount und der maximal möglichen Rendite. So bieten beispielsweise Discountzertifikate auf den Dax derzeit einen relativ geringen Discount und verlangen gleichzeitig einen moderaten Anstieg des Basiswertes, um eine vergleichbare Rendite zu erzielen. Das liegt an der aktuell sehr niedrigen Schwankungsbreite, auch Volatilität genannt, im Dax. Auch das erste Papier war ein aggressives Zertifikat, dessen Käufer vor allem von steigenden Kursen profitierten.

Sind Discountzertifikate bei niedrigen Volatilitäten überhaupt interessant?

Wie bei jedem Investment sollte der Anleger stets das Verhältnis zwischen Rendite und Risiko betrachten. Bei größeren Marktschwankungen geht der Zertifikateinhaber natürlich ein höheres Risiko ein. Allerdings sind auch die Risikopuffer und die möglichen maximalen Gewinne bei hoher Volatilität größer. Ein Discountzertifikat spiegelt also das zu einem bestimmten Zeitpunkt am Markt erhältliche Chance-Risiko-Profil wider – ein Konzept, das in jeder Marktphase funktioniert.

In einer Studie definieren Sie die Discountzertifikate als eigene Anlageklasse. Gilt das nur für defensive Anlegertypen?

Auch wenn Discountzertifikate auf den ersten Blick eher ein defensives Instrument darstellen, eignet sich ihr Einsatz im Gesamtportfolio für Jedermann. Wenn Discountzertifikate im Sinne einer eigenen Assetklasse einem Depot hinzugefügt werden, können sie nicht nur das Risiko senken, sondern einen Beitrag zur effizienten Strukturierung des Portfolios leisten. Weniger Risiko bei unveränderten Renditeerwartungen im Gesamtportfolio sollten jeden Anleger überzeugen.

Raten Sie Anlegern im derzeitigen Börsenumfeld, Aktien in Discountzertifikate zu tauschen. Wo sehen Sie zurzeit noch Chancen?

Ein kompletter Tausch von Aktien in Discountzertifikate innerhalb eines Portfolios, so ein weiteres Ergebnis unserer Studie, ist nicht sinnvoll. Hiermit vermindert man zwar kurzfristig das Risiko, verschließt sich aber auch der Chance auf starke Kursanstiege des Basiswertes. Sollten Anleger davon überzeugt sein, dass die jeweilige Aktie sich zukünftig seitwärts bewegen wird, so kann ein Tausch in Discounter sinnvoll sein.

Die Fragen stellte Marcus Pfeil.

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