Neue Leitbörse?
Eine sichere Stütze für das Depot

Hat die Börse in Shanghai die amerikanische Wall Street als neue Leitbörse in der Welt abgelöst? Diese Frage drängt sich vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzmarkt-Turbulenzen auf, bei der die Börsenwelt auf eine Abkühlung der China-Hausse beinahe mit Chaos reagierte.

FRANKFURT. Der jüngste Kursrückgang zeigt die wachsende Bedeutung der chinesischen Börsen auf. Dass die Kurse nicht nur nach oben gehen können, ist Anlegern wieder stärker bewusst geworden. Zuletzt wurde auch deutlich, dass das Thema "Versicherung mit Derivaten" in Phasen steigender Kurse stark vernachlässigt wird. Und das rächt sich dann, wenn die Stimmung - wie zuletzt - plötzlich dreht.

Und so stellt sich die Frage, ob Anleger grundsätzlich ihr Depot absichern sollten? "Ja, natürlich", sagen Rupertus Rothenhäuser und Matthias Niklowitz von BNP Paribas. Rothenhäuser fügt allerdings hinzu, dass es "jetzt keinen Grund für eine Panik gibt". Seit vier Jahren steige der Aktienmarkt, aber viele Privatanleger seien bei der Hausse bisher noch immer nicht dabei. Sie könnten die Minuskorrekturen für einen Einstieg nutzen. "Solche starken, kurzen Korrekturen zwischen drei und sieben Prozent sind in einem Bullenmarkt völlig normal", sagt er. Ein Kursrutsch bringe zudem oft höhere Handelsvolumen. "Wir hatten jetzt das Doppelte der normalen Tagesumsätze, es wurden alle Positionen quer durch das Buch rege gehandelt."

Für die Absicherung bestehen laut Rothenhäuser mehrere Möglichkeiten. "Die einfachste Variante ist das Setzen einer Stop-Loss-Marke." Je nach Einstiegszeitpunkt und bereits bestehender Kursgewinnen könne man einen solchen Stop-Loss zwischen zehn und 20 Prozent unter den aktuellen Kursen setzen. "In Phasen steigender Kurse muss man natürlich diese Grenze laufend nach oben nachziehen, man spricht dann von einem Trailing-Stop", sagt er.

Ein zweiter Weg ist der Kauf klassischer Put-Optionen. Die muss man als Anleger praktisch als "Versicherung" für das Depot sehen; denn in steigenden Marktphasen verfallen die Prämien. "Absicherungen sind am einfachsten mit Puts auf Indizes wie dem Dax oder dem DJ EuroStoxx 50 möglich", ergänzt der Fachmann. "Anleger sollten sich auch überlegen, ob sie das Depot ganz oder nur teilweise absichern möchten." Teilabsicherungen kosten etwa zwei bis drei Prozent der abzusichernden Position, für nicht dynamische Vollabsicherungen eines Dax-Portfolios ist mit sechs Prozent auf ein Jahr zu rechnen. Eine am Geld befindliche Put-Optionen mit noch 16-monatiger Restlaufzeit sei beispielsweise der Put BN2DK6, der einen Strike (Basispreis) bei 6 800 Punkten hat, wird der Fachmann konkret.

Eine dritte Absicherungsvariante ist das "Short gehen". Früher gab es lediglich die Leerverkäufe an der Börse. Heute ist das ebenfalls mit Produkten wie Short-Turbos oder Reverse-Bonus-Produkten möglich, mit denen auch Kursgewinne bei fallenden Märkten möglich sind. Und welche Rolle spielen die normalen Bonus- und Express-Zertifikate? "Grundsätzlich kann man auch hier Stop-Loss-Grenzen setzen, aber wer das macht, verkennt das Konzept dieser Produkte, die eine Alternative zu den klassischen Delta-1-Trackern sind", so die Antwort des BNP-Mannes. Es sollte nichts passieren, wenn nicht Barrieren dieser Zertifikate getroffen sind, die oft noch tiefer sind als die aktuellen Kurse nach der Korrektur.

Eine Frage, die im Zusammenhang mit Markt-Turbulenzen immer wieder auftaucht, ist das Kursverhalten von Alternativ-Investments wie Rohstoffen, Edelmetallen oder Hedge-Fonds. Die Theorie besagt, dass alle diese alternativen Anlageklassen eine nur geringe oder sogar eine negative Korrelation zu Aktien und Anleihen - den klassischen Anlageformen also - aufweisen. Wenn also diese alternativen Anlageklassen weniger verlieren oder sogar gewinnen, wird der Wert eines diversifizierten Depots durch die Beimischung dieser Vehikel stabilisiert. "Wer ein gut austariertes Portfolio hält, verfügt über solche Anlagen - und diese haben sich auch jetzt wieder gut gehalten und bilden damit ebenfalls einen gewissen Schutz vor Verlusten bei Aktienanlagen", sagt Rothenhäuser.

Der Goldpreis blieb während der turbulenten Tage recht stabil. Und Ähnliches könne auch für den Rohölpreis gesagt werden. Auch die meisten Hedge-Fonds-Strategien haben sich vergleichsweise gut gehalten. Zertifikate auf die Aktie des Hedge-Fonds von Boussard und Gavaudan beispielsweise hätten am "schwarzen Dienstag" nur ein halbes Prozent eingebüßt.

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