Produktstopp
DWS scheitert am Zertifikatemarkt

Vor drei Jahren wollte Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS die neue Anlageklasse erobern. Jetzt muss sie eingestehen, dass ihr das misslungen ist. Deswegen legt Deutschlands größte Fondsgesellschaft ihre Aktivitäten in diesem Bereich vorerst auf Eis.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Frontalangriff der DWS auf den deutschen Zertifikatemarkt ist gescheitert. Neue Zertifikate hat die DWS seit Mai dieses Jahres nicht mehr emittiert, ein Teil der bestehenden Produkte wurde vom Markt genommen, und Mitarbeiter wurden aus dem Segment in andere Bereiche verlagert. Neue Zertifikate für den öffentlichen Vertrieb soll es bis auf weiteres nicht geben.

"Das Zertifikategeschäft ist seit einem Jahr extrem schwierig. Wir sehen im klassischen Geschäft mit offenen Investmentfonds wesentlich größere Chancen und setzen die Ressourcen dementsprechend anders ein", sagte DWS-Sprecher Claus Gruber. Das Unternehmen reagiert damit auf die enttäuschenden Verkaufszahlen im Zertifikategeschäft. In den 125 ausstehenden Produkten steckte zuletzt gerade einmal ein Volumen von rund 500 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Fondsgeschäft verwaltet die DWS mehr als 100 Mrd. Euro. In 30 Zertifikaten war so wenig Geld investiert, dass man diese im Oktober ganz geschlossen hat.

Markteintritt sorgte für viel Wirbel

Die DWS war im Oktober 2006 mit vollmundigen Ankündigungen in den Zertifikatemarkt eingestiegen, um von dem damaligen Boom in dem Segment zu profitieren. "Aktiver, sicherer und transparenter" sollten die Produkte der eigens in Luxemburg gegründeten Gesellschaft DWS Go sein. Von den etablierten Zertifikate-Emittenten wollte sich der Angreifer DWS unter anderem dadurch abheben, dass seine Produkte aktiv verwaltet werden. Außerdem wurde für jedes Zertifikat von DWS Go in Luxemburg ein eigenes sogenanntes Compartment aufgelegt, in das Vermögenswerte eingezahlt wurden, mit denen die Auszahlung der Anleger sichergestellt werden sollte. Das oft kritisierte Emittentenrisiko bei Zertifikaten wollte die DWS so verringern.

In der Branche sorgte der Markteintritt der für viel Wirbel. "Vor der Vertriebskraft der DWS hatten sich viele gefürchtet", sagt der Vertreter eines großen Emittenten. Zumal das Fondshaus der Konkurrenz einige sehr namhafte Derivateexperten abwarb. Von der ABN Amro kaufte man ein ganzes Team. An der Spitze: Stephan Kunze, einer der Vordenker der Branche.

Doch erste Misstöne im eigenen Haus ließen nicht lange auf sich warten. Einige Neuzugänge verabschiedeten sich schnell wieder, weil die internen Widerstände zu groß waren. Im starken DWS-Vertrieb kamen die Produkte des neuen Zertifikate-Teams nicht zum Zuge. Zudem machten die Investmentbanker der Konzernmutter Deutsche Bank, für die die Zertifikatesparte X-Markets, in diesem Segment Marktführer in Deutschland, ein wichtiger Ertragsbringer ist, mobil gegen die hauseigene Konkurrenz.

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