Reich der Mitte
Investieren auf Chinesisch

Steigendes Bruttoinlandsprodukt und oftmals Wachstumsraten im zweistelligen Bereich: China ist und bleibt ein interessantes Investitionsziel. Anleger, die in das bevölkerungsreichste Land der Welt investieren, müssen aber aufpassen. Verschiedenste Börsenplätze bieten einen Einstieg in chinesische Aktien. Wer den falschen erwischt, kann schnell alt aussehen.
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UNKEL. Chinas Konjunktur hat nach wie vor eine hohe Dynamik. In den vergangenen Jahren waren jährliche Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich keine Seltenheit. Für die Zukunft sind die Experten vorsichtig optimistisch. "Wir erwarten, dass das Bruttoinlandsprodukt in China im kommenden Jahr um etwa acht Prozent wachsen wird", sagt Ashley Davies, China-Analyst bei der Commerzbank.

Acht Prozent klingen beachtlich, würden allerdings eine Verlangsamung bedeuten. Für das Jahr 2010 erwarten Experten ein Wirtschaftswachstum von 10,5 Prozent. Wie sich die wirtschaftliche Entwicklung auf die Aktienkurse der Unternehmen auswirken wird, die an den verschiedenen chinesischen Börsen notiert sind, ist nur schwer einzuschätzen. Denn die Aktienkurse in China reagieren teilweise sehr intensiv auf Trends und Stimmungen.

Auch die Finanzkrise ist nicht spurlos am Reich der Mitte vorbeigegangen. So verlor der Hang-Seng-Index in Hongkong von November 2007 bis Ende Oktober 2008 fast zwei Drittel seines Wertes. Seitdem haben sich die Kurse der im Index vertretenen Unternehmen schon wieder verdoppelt. Doch was für den Hang-Seng-Index gilt, muss nicht für alle Indizes gelten, die die Kurse von chinesischen Aktien abbilden. Beispiel: Der FTSE/Xinhua A50 China Index, der heute fast exakt den gleichen Stand hat wie vor zwei Jahren und im laufenden Jahr gerade einmal ein Prozent an Wert zulegte, während der Hang Seng seit Januar um 13,7 Prozent gestiegen ist. Ein Grund für solche Unterschiede kann in der Zusammensetzung der Indizes liegen. So spielen im Hang-Seng-Index die Bereiche Konsum und Industrie mit rund 39 Prozent Indexanteil eine deutlich höhere Rolle als beim Xinhua-Index, dessen Schwerpunkt stark im Bereich Finanzen liegt (59 Prozent).

Die Zusammensetzung ist wichtig

Anleger, die mit Hilfe von Zertifikaten in chinesische Aktien investieren wollen, haben mehrere Zertifikate zur Auswahl, denen in der Regel ein China-Index als Basiswert zugrunde liegt. Da die Indizes teilweise sehr unterschiedliche Branchenschwerpunkte und Funktionsweisen haben, lohnt sich ein Blick auf die Zusammensetzung. Wichtigstes Kriterium: China-Aktien unterteilen sich in A-, B-, S- und H-Aktien.

"Anleger sollten sich beim Thema China sehr intensiv damit auseinandersetzen, welche Aktien mit welcher Gewichtung jeweils in dem Index vertreten sind, der einem Zertifikat als Basiswert dient", sagt Jochen Fischer von Goldman Sachs.

Die Unterschiede liegen vor allem in der Performance. A- und B-Aktien in Schanghai und Shenzhen beispielsweise haben sich im laufenden Jahr nur halb so gut entwickelt wie S-Aktien. Das schlägt sich in der Entwicklung der jeweiligen Zertifikate nieder. So blieb die Wertentwicklung des Zertifikats der Royal Bank of Scotland auf die A-Aktien des CSI 300 China Total Return Indexes (WKN AA1DEW), der die Wertentwicklung der 300 größten Aktien aus dem A-Segment der Börsen in Schanghai und Shenzhen abbildet, seit Jahresbeginn im Vergleich zum China S-Shares-Zertifikat (WKN AA0R9M) zurück.

Auch das China-Zertifikat der Deutschen Bank auf den FTSE/Xinhua A50 China Index hat sich vergleichsweise schlecht entwickelt: plus ein Prozent seit Jahresbeginn. Ein Zertifikat mit namentlich ähnlichem Index als Basiswert gibt es von Goldman Sachs (GS0CCW). Der FTSE/Xinhua 25 China Index hat sich aber deutlich besser entwickelt als der A50-Index. Die Unterschiede sind größer, als es durch den ähnlichen Namen auf den ersten Blick wirkt.

Fazit: China ist als Investitionsziel nach wie vor interessant. Anleger sollten sich aber genau über die verschiedenen Anlagesegmente informieren, bevor sie investieren.

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