Sichere Geldanlage
Börsenparty ohne Kater

Kursgewinne ohne Risiko. Davon träumt jeder Anleger. Mit Kapitalschutzprodukten versprechen Banken die Quadratur des Kreises. Lange Zeit boten diese Papiere jedoch viel weniger als versprochen. Das hat sich geändert.
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Wenn es am schönsten ist, sollte man gehen. Doch ab wann wird die Party nicht mehr besser? In geselliger Runde mag noch die Uhrzeit als Orientierung dienen. An der Börse ist es dagegen gefühlt immer kurz vor Zwölf, die Anleger sind grundsätzlich mehr oder weniger nervös. Aktuell beispielsweise, bei einem Dax-Stand von rund 7.500 Punkten und einer Kursverdoppelung des deutschen Leitindex in den vergangenen zwei Jahren, beschleicht manchen Investor die Befürchtung, dass die Party bald vorbei sein könnte. Doch wer mag jetzt abspringen? Es könnte ja ebenso gut weiter aufwärts gehen.

Anleger, die sich den Stress der Entscheidung ersparen und gegen Kursverluste abgesichert weiter Börsenparty feiern wollen, haben seit einiger Zeit wieder eine Alternative: Kapitalschutzzertifikate mit 100 Prozent Partizipation und ohne Gewinnbegrenzung. Konkret: Viele Papiere dieser Bauart, die seit einigen Wochen neu auf den Markt kommen, versprechen zum Laufzeitende mindestens die Rückzahlung von 100 Prozent des Emissionspreises, manchmal auch etwas mehr. Gleichzeitig werben sie damit, am Ende der Laufzeit uneingeschränkt von einer positiven Kurs-Entwicklung des jeweiligen Basiswertes zu profitieren. Manches Zertifikat zahlt darüber hinaus während der Laufzeit sogar noch einen Mindestkupon.

Volle Partizipation bei steigenden Kursen und null Risiko: Das war lange Zeit nahezu unmöglich. Die meisten Kapitalschutzzertifikate, die in den vergangenen beiden Jahren angeboten wurden, hatten eine Gewinnbegrenzung – also einen Cap – und/oder eine Einschränkung der Partizipation. Das heißt, dass nur ein prozentualer Anteil der Kursbewegung des Basiswertes in die Berechnung der Auszahlungshöhe mit einfloss. „Die klassischen Produkte waren für die Anbieter lange Zeit kaum finanzierbar. Denn das Marktumfeld für die beiden Komponenten, aus denen sich Kapitalschutzzertifikate zusammensetzen, war äußerst ungünstig“, erklärt Nicole Wittmann von Macquarie.

Hintergrund: Die beiden Komponenten, aus denen Kapitalschutzzertifikate bestehen, sind ein Zero-Bond und eine Call-Option auf den Basiswert. Während der Zero-Bond die Kapitalgarantie am Laufzeitende sicherstellt, sorgt die Call-Option für die Partizipation an steigenden Kursen. Besonders gute Produkte können die Emittenten dann bauen, wenn sie den Zero-Bond und die Call-Optionen günstig einkaufen können. Das ist der Fall, wenn einerseits das Zinsniveau hoch ist – das sorgt für niedrige Preise bei den Zero-Bonds – und andererseits die Volatilität niedrig ist. Denn je niedriger die Schwankungsintensität der Kurse ist, desto preiswerter sind die Aufgelder für Optionen. „In den vergangenen beiden Jahren hatten wir ein niedriges Zinsniveau und immer wieder eine relativ hohe Volatilität. Zero-Bonds und Optionen waren teuer. Da blieb kaum Spielraum, um gleichzeitig Kapitalschutz und genügend Performance in den Zertifikaten unterzubringen“, so Wittmann.

Deshalb wichen die Emittenten auf andere Konstruktionen aus und sorgten mit mehr oder weniger offen kommunizierten Zusatzeigenschaften für eine Gewinnbegrenzung bei ihren Kapitalschutzprodukten. Eine beliebte Methode waren Caps,eine andere Methode waren beispielsweise umständliche Berechnungen mit Durchschnittswerten über die zurückliegenden Jahre. Der Trick: Durch eine Durchschnittsbildung über mehrere Jahre hinweg anstelle einer 100-prozentigen Partizipation an der Kursentwicklung des Basiswertes wird verhindert, dass eine Hausse am Laufzeitende für eine zu hohe Auszahlung sorgen kann.
Blick auf die Konditionen

Auf solche Tricks sind die Emittenten derzeit jedoch nicht mehr angewiesen. „Das Zinsniveau hat wieder angezogen, und die Volatilität ist verhältnismäßig niedrig. Das erlaubt uns, wieder bessere Kapitalschutzprodukte anzubieten“, sagt Anouch Wilhelms von der Commerzbank. Ein Beispiel dafür ist ein vor wenigen Tagen neu aufgelegtes Kapitalschutzzertifikat von der Commerzbank (WKN: CB83TQ). Der Kurs des Papiers liegt nahe der 100 Prozent-Marke, die Mindesthandelsgröße beträgt im Gegensatz zu den meisten Kapitalschutzprodukten 100 Euro. Bei anderen Anbietern sind es in der Regel 1000 Euro. Weitere Beispiele für aktuelle Produkte ohne Gewinnbegrenzung sind ein Zertifikat von der WestLB (WKN: WLB3MM) und von Morgan Stanley (WKN: MS0AAX) sowie ein gerade in der Zeichnungsphase befindliches Papier von Macquarie (WKN: MQ2RRR).

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