Spekulation auf strategische Metalle
Fragwürdige Geschäfte mit Seltenen Erden

Seltene Erden sind alles andere als selten, trotzdem stürzen sich Anleger auf die Branchen-Zertifikate. Analysten warnen: Der Boom ist bald vorbei.
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DÜSSELDORF. "Gadolinium", "Ytterbium" oder "Praseodym": Die Industriestaaten rangeln um die Versorgung mit den sogenannten Seltenen Erden. Denn diese Rohstoffen sind die Schlüsselmaterialen für viele moderne Technologieprodukte. Das treibt die Preise - und lässt auch Anleger von hohen Renditen träumen.

Kein Wunder, dass auch die emsigen Emittenten aus der Zertifikate-Branche auf den Trend aufspringen. Sie überschütten Investoren mit neuen Produkten, die einen Zugang zu dem Markt schaffen sollen. Die Royal Bank of Scotland (RBS), die Société Générale und die UBS haben Basket-Zertifikate auf Seltene Erden aufgelegt, die Commerzbank und die Schweizer EFG lassen Anleger per Index-Zertifikat auf selbst konstruierte Indizes am vermeintlichen Boom partizipieren.

Doch wie immer, wenn Finanzdienstleister einen neuen Mega-Trend ausrufen, ist Vorsicht angesagt. Schon der Begriff "Seltene Erden" führt in die Irre. Denn so selten wie der Name impliziert, sind die Metalle nicht. "Physisch gibt es mehr als genug", sagt Thomas Gutschlag, Finanzvorstand der Rohstoff AG. Pro Jahr würden weltweit lediglich an die hunderttausend Tonnen verbraucht, dem stünden aber mehrere Hundert Millionen Tonnen Metallvorkommen gegenüber. Den massiven Preisanstieg der letzten Monate hält Gutschlag daher für "überzogen".

Zweierlei Faktoren machen Experten für den Preisanstieg verantwortlich. Zum einen haben die Metalle eine hohe strategische Bedeutung. Sie werden für die Produktion von Touchscreen-Handys ebenso benötigt wie für den Bau von Katalysatoren. Wer bei Zukunftstechnologien mitspielen möchte, tut gut daran, sich rechtzeitig die Versorgung mit Seltenen Erden zu sichern.

Und das kann teuer werden: Ein Kilogramm Terbium kostete 2007 rund 590 Dollar, heute sind es mit 640 Dollar rund 8,5 Prozent mehr. Im Vergleich zu anderen Erden viel der Anstieg damit noch verhältnismäßig moderat an. Ein Kilogramm Neodymium kostet mit 114 Dollar mittlerweile 280 Prozent mehr, der Preis für Cerium Oxide schnellte in den letzten vier Jahren gar um 2133 Prozent in die Höhe.

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