Zertifikate
Japan zieht Investoren an

Selten waren sich Analysten und Anleger in ihrem Optimismus für den japanischen Aktienmarkt so einig wie im vergangenen Jahr. Inzwischen gehen die Meinungen aber wieder auseinander. Der schönste Teil ist vorbei, sagen die einen. Die Party hat gerade erst begonnen, die anderen. Anleger können mit Zertifikaten von beiden Meinungen profitieren.

Innerhalb der letzten zwölf Monate hat der Nikkei-225-Index rund 50 Prozent zugelegt. Seit Anfang April schwankt der Nikkei-Index um die Marke von 17 000 Punkten. Dabei hat der Markt den Bilanzskandal um die Internetfirma Livedoor und die unzureichende Infrastruktur der Tokioter Börse recht schnell weggesteckt.

Viele Analysten sehen die nächste Chance für einen Aufwärtstrend erst wieder ab Sommer. Die steigenden Firmengewinne, wie sie dieser Tage durch die meisten Firmen für das im April beginnende Geschäftsjahr prognostiziert werden, seien oft schon im Kurs eingepreist, argumentiert Toshio Sumitani vom Tokai Tokyo Forschungszentrum. Mit Ende des ersten Quartals erwartet er für den Sommer Prognoseanhebungen. Dann dürften zudem die Dividendenzahlungen die Aktien treiben.

 Eine Übersicht der aktuellen Zertifikate für japanische Indizes

Die Prognosen für den Sommer schwanken von 17 500 bis 18 500 Punkte. Und für das Jahresende rückt unter den Optimisten sogar die Nikkei-Marke von 20 000 Punkten in den Blick. Jüngst hoben etwa Goldman Sachs und UBS ihre Kursziele für den breiter gestreuten Topix-Index, der derzeit bei gut 1 730 Punkten liegt, für das laufende Geschäftsjahr auf 2 000 Punkte an.

Der Optimismus ruht auf einem realwirtschaftlichen Fundament. Denn Japan ist auf dem besten Weg, die längste Konjunkturerholung in seiner Nachkriegsgeschichte zu schaffen. Seit Februar 2002 gilt die Rezession als beendet; zurzeit profitiert die Wirtschaft von historisch niedrigen Leitzinsen. Wirtschaftsminister Kaoru Yosano rechnet mit einer anhaltenden Erholung bis 2007. Nach 2,7 Prozent realem Wirtschaftswachstum 2005 erwartet etwa Goldman Sachs für dieses Jahr ein Wachstum von 3,2 Prozent. Das Konsumentenvertrauen lag in den letzten Monaten nahe und zum Teil sogar über den Höchstständen von 1991, der Zeit der Spekulationsblase. Die potenzielle Wachstumsrate der japanischen Wirtschaft wird auf real 1,5 bis zwei Prozent geschätzt. Anleger sollten dies im Blick behalten, wenn sie die langfristige Entwicklung der Volkswirtschaft beurteilen.

Die Frage ist, ob eine weitere Binnennachfrage die derzeit sinkenden Handelsüberschüsse künftig auffängt. Langfristig wird die hohe Staatsverschuldung zu Steuererhöhungen führen und den Konsum belasten. Doch bis ins kommende Jahr hinein sind diese nicht zu erwarten und das Erholungsszenario ist intakt. „Die japanische Wirtschaft hat nach Jahren der wirtschaftlichen Stagnation wieder Fahrt aufgenommen und lässt Hoffnungen der Anleger auf steigende Gewinne der Unternehmen aufkeimen, was an der Performance des Nikkei-225 in den letzten Monaten ablesbar ist“, urteilen etwa die Experten von ABN Amro.

Die weiter steigenden Unternehmensgewinne sind einer der Hauptgründe für den Optimismus. Allerdings ziehen sie nicht mehr so stark an wie in den Jahren zuvor. Strategin Kathy Matsui von Goldman Sachs rechnet für das seit Anfang April laufende Geschäftsjahr mit 17 Prozent Gewinnanstieg für die Unternehmen, die in der ersten Sektion der Tokioter Börse notiert sind. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es gut 37 Prozent. Doch schon jetzt sind japanische Aktien nicht mehr billig. Mit einem Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von 20 liegen die Aktien deutlich über dem Schnitt in Europa und den USA. Einige Immobilientitel erreichen sogar die Marke von 50, so dass Immobilienanalysten vom Einstieg abraten.

Vielen Exportfirmen hat bisher der niedrige Kurs der japanischen Devise geholfen. Konsens im Markt ist aber, dass der Yen über kurz oder lang in Folge steigender Leitzinsen in Japan zumindest gegenüber dem amerikanischen Dollar zulegen wird. Denn ein steigender Langfristzins könnte Geldzuflüsse in japanische Anlagen nach sich ziehen. Eine etwas stärkerer Yen ist also für den Aktienmarkt nicht unbedingt schlecht und könnte zudem die Negativwirkungen des steigenden Ölpreises auf der Importseite etwas ausgleichen.

Das Tempo der anstehenden Abkehr von der Nullzinspolitik in Japan sehen Strategen neben einer Abkühlung der Weltkonjunktur als Risiko für die japanische Börse. Die erste Zinsanhebung auf 0,25 Prozent wird zwischen Juli und Oktober erwartet. Ökonom Tetsufumi Yamakawa von Goldman Sachs warnt, die Notenbank könnte im Zuge überzogener Inflationsängste die geldpolitischen Zügel zu stark anziehen. Die Märkte hätten derzeit kein klares Bild darüber, wann die Bank of Japan ihre Nullzinspolitik beendet und welches Zinsniveau sie danach anstrebe. Deshalb stiegen die Langfristzinsen an den Anleihemärkten derzeit über Gebühr. „Wenn diese Situation anhält, kann ein Überschießen der Zinsen nicht ausgeschlossen werden, was unvorhersehbare Folgen für die Realwirtschaft haben könnte“, meint Yamakawa.

Spannend wird zudem die Reaktion der ausländischen Anleger auf den Abgang des Ministerpräsidenten Junichiro Koizumi im September sein. Denn es war vor allem Koizumis Erfolg bei den Wahlen 2005, der sie zu einer neuen Investitionswelle getrieben hatte.

Für Optimismus sorgt aber nicht zuletzt das sich wandelnde Anlegerverhalten der japanischen Privatanleger. Die Strategen hoffen, dass künftig die inländischen Anleger zu Nettokäufern am Markt werden und so für eine zweite Kaufwelle sorgen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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