Zertifikate
Mehr Produkte, aber weniger Emittenten im Jahr 2010 erwartet

Der Markt für strukturierte Anlageprodukte leidet nach wie vor unter den Folgen der Lehman-Pleite. Der Plan um wieder Anleger zu bekommen klingt simpel: Die Anbieter wollen sich laut einer Umfrage in Zukunft stärker auf einfache Produkte konzentrieren.
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FRANKFURT. Für die Zertifikateanbieter wird das Jahr 2010 zur Zerreißprobe. 74 Prozent der Emittenten sagen eine weitere Konsolidierung der Branche voraus: Sie rechnen in den kommenden zwölf Monaten mit weniger Anbietern in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer gestern von Feri Euro-Rating Services veröffentlichten Umfrage unter 19 Zertifikateemittenten.

Die verbleibenden Asset-Manager können dafür wieder mehr Zertifikate verkaufen. Aber nur, wenn sie das Vertrauen der Anleger dauerhaft zurückgewinnen: "Die Selbsteinschätzung der Anbieter ist positiv. Es bleibt zu hoffen, dass das Anlegervertrauen nicht wieder verspielt wird", sagt Andreas Köchling, Ratingexperte bei Feri.

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) kam bei einer Umfrage unter 21 Emittenten zu einem anderen Ergebnis: Die Mehrheit erwartet, dass sich die Zahl der Produkte im kommenden Jahr auf gleichem Niveau bewegen wird, 26 Prozent rechnen mit einem größeren Produktuniversum im neuen Jahr. Daraufhin meldete der DDV Anfang Dezember: "Niemand erwartet einen Rückgang des Marktvolumens."

Lehman-Pleite wirkt nach

Der Markt für strukturierte Anlageprodukte leidet unter den Folgen der Lehman-Pleite. Private Investoren haben mit den Produkten viel Geld verloren. Als die US-Bank Konkurs anmeldete, verfielen deren Zertifikate wertlos. Bis dahin war vielen Anlegern nicht bewusst, dass sie neben dem Kursrisiko auch ein Emittentenrisiko eingehen. Das Anlagevolumen in Zertifikaten brach im August und September 2008 um jeweils zehn Prozent ein und landete im Februar 2009 auf einem Tiefpunkt bei 66,5 Mrd. Euro. Im September 2009 überschritt der deutsche Zertifikatemarkt wieder die 100-Milliarden-Euro-Marke. Wegen der seit Jahresbeginn steigenden Aktienkurse glauben die von Feri befragten Branchenexperten nun an ein "zunehmendes Absatzpotential für Zertifikate".

Die Zeit immer neuer Basiswerte und Strukturen ist aber vorbei. Laut Feri erwartet die Mehrheit der Zertifikateemittenten eine Stagnation bei den Basiswerten und einen deutlichen Rückgang der Komplexität. "Die schiere Masse an bereits vorhandenen Anlageprodukten erschwert die Markt- und Produkttransparenz für Anleger bereits", sagt Matthias Kinttof. Der Leiter Produktentwicklung der DZ Bank hält eine Ausweitung der am Markt vorhandenen Basiswerte für nicht sinnvoll. "Der Trend zu einfachen Produkten wird sich auch im kommenden Jahr fortsetzen", sagt Nicolai Tietze von X-Markets. Die Zertifikatesparte von der Deutschen Bank wird sich seinen Angaben zufolge auf deutsche Einzeltitel konzentrieren. In exotischeren Anlageregionen wie zum Beispiel in Schwellenländern soll es künftig weniger Zertifikate auf Einzelaktien geben.

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