Zertifikate
Mehr Sicherheit für Anleger

Banken bauen ihr Angebot an Garantie-Zertifikaten auf Aktien aus. Investoren können dabei den Sicherheitslevel - und damit das Chance-Risiko-Profil - selbst bestimmen.

Die Idee ist einfach, attraktiv und müsste aktuell eigentlich gut ankommen - und doch fristen sogenannte Safe-Zertifikate am Derivatemarkt ein Nischendasein. Emittenten, die diese Produkte mit Sicherheitsnetz anbieten, berichten von geringer Nachfrage. Nach Meinung von Branchenexperten sollte sich das aber spätestens mit der Einführung der Abgeltungsteuer ändern, weil Zertifikate mit Kapitalschutz dann ihren bisherigen steuerlichen Malus gegenüber anderen Anlagearten verlieren. Safe-Zertifikate sind eine relativ neue Variante von Garantiezertifikaten, die sich nicht nur auf Indizes, sondern erstmals auch auf zahlreiche deutsche Einzelwerte aus Dax und MDax beziehen. Als erster Emittent brachte 2007 Goldman Sachs die Papiere auf den Markt, inzwischen sind andere Anbieter wie die Commerzbank, Dresdner Kleinwort oder BNP Paribas gefolgt. Wie bei Garantieprodukten üblich erhalten Anleger bei Safe-Zertifikaten am Laufzeitende eine fixe Mindestauszahlung und nehmen an steigenden Kursen teil. Im Angebot haben Banken Produkte mit voller Partizipation an Kursgewinnen und Papiere mit begrenzten Gewinnchancen. Bei letzteren ist der Kaufpreis niedriger als bei reinen Safe-Zertifikaten.

Das Besondere im Vergleich zu bisher gängigen Garantiezertifikaten ist, dass Anleger je nach individueller Risikoneigung zwischen verschiedenen Sicherheitsleveln wählen können. Beispielsweise kann das Garantieniveau bei 80, 90 oder 100 Prozent des eingesetzten Kapitals liegen. Dabei geht ein niedrigerer Festbetrag immer mit erhöhten Renditechancen einher, weil Zertifikate mit geringerem Schutzlevel günstiger verkauft werden als sicherere Varianten und somit bei steigenden Kursen stärker profitieren. „Gerade für die Deutschen, die bei ihren Anlagen stark auf Sicherheit setzen, sind Safe-Zertifikate eine interessante Alternative zur Aktie“, sagt Ralph Stemper, Derivate-Experte der Commerzbank. „Sie profitieren voll von Kursanstiegen, auf der anderen Seite ist das Verlustrisiko begrenzt oder sogar gleich Null.“ Einen Nachteil haben die Papiere im Vergleich zu Aktien aber: Im Gegenzug für die Absicherung gegen Rückschläge verzichten Anleger auf Dividenden. Bei Werten wie Telekom, Lufthansa oder Deutsche Bank mit Dividendenrenditen über fünf Prozent macht das einen bedeutenden Unterschied.

Anleger sollten zudem beachten, dass die Kapitalgarantie immer nur am Laufzeitende gilt. Davor sind bei den Papieren durchaus Verluste möglich, die auch stärker ausfallen können als bei der zugrunde liegenden Aktie. Ausschlaggebend hierfür ist die Volatilität im Markt: „Safe-Zertifikate bestehen aus einer Nullkuponanleihe sowie einer Call-Option auf den Basiswert. Und der Preis dieser Option wird von der Volatilität beeinflusst“, erklärt Jan Schneider, Produktmanager für Zertifikate bei Dresdner Kleinwort. „Geht die Volatilität während der Laufzeit zurück, drückt das auf den Kurs.“ Umgekehrt profitieren Anleger, wenn die Schwankungen am Markt stärker werden. Für einen Neueinstieg in Safe- Zertifikate sollten Anleger daher noch abwarten und sich vorzugsweise in Phasen mit geringer Volatilität engagieren, raten Experten. Einige Anleger greifen derzeit zu anderen Derivate-Varianten wie Bonuszertifikaten, die bei steigenden Volatilitäten günstiger werden. Beim jüngsten Rückschlag haben Investoren mit Bonus-Papieren, die nur gegen begrenzte Verluste Schutz bieten, jedoch auch schlechte Erfahrungen gemacht, weil die Sicherheitspuffer zum Teil nicht ausreichten. „Diese Anleger finden bei Safe-Zertifikaten einen sicheren Hafen“, sagt Schneider.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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