Zertifikate
Multiple Risiken im Depot

Der wohlklingende Zusatz „Multi“ schmückt immer mehr Bonuszertifikate und suggeriert erhöhte Gewinnchancen. Doch oft verbergen sich dahinter vor allem „multiple Verlustrisiken“.

DÜSSELDORF. Schon nach kurzer Zeit haben die ersten Multi-Bonuszertifikate trotz üppiger Sicherheitspuffer ihre Bonusansprüche verloren und notieren mittlerweile im tiefroten Bereich. Für viele Anleger kommt vor allem das Ausmaß der Verluste überraschend. Ein Minus von 50 Prozent seit Oktober vergangenen Jahres verzeichnet zum Beispiel das von Merrill Lynch begebene Multi-Capped-Bonuszertifikat auf Luxuswerte (WKN: ML0C1E).

Bereits 75 Prozent haben Erstzeichner innerhalb von sechs Monaten verloren, die dem Slogan „Innovative Struktur trifft Zukunftstechnologie“ aus der Emissionsbroschüre gefolgt sind und das Multi-Solar-Papier von Sal. Oppenheim orderten (WKN: SDL4SB). Wie ist das zu erklären?

Multi-Bonus-Papiere sind eine Variante der klassischen Bonuskonstruktion mit dem Unterschied, dass ihnen mehrere Basiswerte zugrunde liegen. Wasauf den ersten Blick nach Diversifizierung und Verringerung des Verlustrisikos aussieht, entpuppt sich aber oft als das genaue Gegenteil davon.Der Grund: Zwar sind durch mehrere Basiswerte großzügigere Risikopuffer und attraktivere Bonuschancen möglich.

Andererseits steigt damit aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Barriere gerissen wird und der Bonus verloren geht. Denn nur wenn kein einziger der Basiswerte während der Laufzeit das Absicherungsniveau berührt, wird zum Laufzeitende mindestens der Bonus ausgezahlt. Andernfalls erhält der Investor einen Betrag, der der Entwicklung des Basiswerts mit der schlechtesten Performance entspricht.

Tritt das zweite Rückzahlungszenario ein, erzielt der Anleger bei Multi-Bonuszertifikaten höhere Verluste bzw. eine niedrigere Rendite als bei einer Investition in mehrere klassische Bonuszertifikate auf die jeweiligen Basiswerte mit vergleichbarem Sicherheitspuffer.

So passiert beim Multi-Solar-Zertifikat: Obwohl von den fünf enthaltenen Basiswerten nur die Aktie von Conergy eingebrochen und unter das Absicherungsniveau gefallen ist, hat sie die Gesamtinvestition in einen Verlustbringer verwandelt.

Mit einer (gleichgewichteten) Aufteilung der Anlagesumme auf klassische Bonuspapiere wären Anleger hier besser gefahren: Für vier der fünf Zertifikate - und damit den Großteil der Investition - wäre der Bonusmechansimus noch intakt.

Um die Attraktivität eines Multi-Bonus- Papiers zu beurteilen, ist es daher unerlässlich, die „schwächste“ Basiswert-Komponente mit dem größten Verlustrisiko und/oder höchsten erwarteten Volatilität zu identifizieren. Als Faustregel gilt dann: Nur wenn das Multi-Bonuszertifikat deutlich bessere Konditionen bietet, als klassische Bonuszertifikate auf diesen Basiswert, macht es überhaupt Sinn, das Multi-Papier vorzuziehen.

Ein aktuelles Negativbeispiel: Ein Multi-Capped-Bonuszertifikat auf das Dax-Trio Daimler, Eon und Deutsche Telekom, das bis Mitte März gezeichnet werden kann (WKN: TB1EP4). Unter Berücksichtigung des Ausgabeaufschlags bietet es Ende Juni 2009 eine Bonuschance von 13,4 Prozent. Der Sicherheitspuffer wird zwischen 45 und 50 Prozent liegen.

Doch für alle drei Basis-Aktien sind klassische Capped Bonuszertifikate mit fast identischer Laufzeit erhältlich, die mehr als 50 Prozent Sicherheitspuffer und Bonusrenditen zwischen 11,5 und 14 Prozent aufweisen (Daimler: BN0KGX / Eon: TB0UY6 /Dt. Telekom: BN600G).

Dieser Artikel ist der Ausgabe 05/2008 des kostenlosen Handelsblatt Zertifikate-Newsletters entnommen. Abonnieren Sie die ZertifikateNews und Sie erhalten alle 14 Tage die aktuelle Ausgabe kostenlos in Ihr E-Mail-Postfach geliefert. Zwei Tage, bevor sie zum Download angeboten wird.



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Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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